Wilder Start in die Mission Wembley

von Redaktion

Bayerns 4:3 gegen United ist kein Glanzstück – aber ein Auftakt nach Maß

VON HANNA RAIF UND MANUEL BONKE

München – Eine knappe halbe Stunde hatte Zsolt Löw gestern gut zu tun an der Seitenlinie der Allianz Arena, denn so richtig rund lief es beim FC Bayern nicht. Der Mann, der den gesperrten Thomas Tuchel als Trainer im ersten Champions-League-Spiel seit mehr als fünf Monaten vertrat, ärgerte sich, schrie, winkte ab. Dann aber kamen Leroy Sané (28.) und Serge Gnabry (32.) – und machten den Abend mit ihren Treffern zu einem ruhigeren. Am Ende stand es nach dem Anschlusstor durch Rasmus Höjlund (49.), einem verwandelten Handelfmeter von Harry Kane (53.) und den Last-Minute-Treffern von Casemiro (88./90.+5) und Mathys Tel (90.+2) 4:3 (2:0) gegen Manchester United.

Für den deutschen Rekordmeister startete die Königsklasse somit wie bei den letzten 19 Malen mit einem Sieg. Und das war nicht nur gut für die Ausgangslage in der Gruppe (Tabellenführer!), sondern auch für das Binnenklima sowie die viel zitierte Wiesn-Bilanz. Ein von vielen erwartet leichtes Spiel allerdings war die Partie gegen den Tabellen-13. der Premier League nicht. Bis die Bayern in Führung gingen, war ManU besser im Spiel. Dann allerdings lief lieg lange alles in eine Richtung, die nicht nur Löw in der Coaching Zone, sondern auch Tuchel auf der Tribüne deutlich besser gefallen hat. Bis es in der Schlussphase nochmal hektisch wurde.

„Widerstandskraft, Grip und Kampfgeist“ hatte der Chef vor seinem Gang in die Loge gefordert – und im Vergleich zum hochklassigen Topspiel am Freitag gegen Leverkusen (2:2) nur eine Änderung vorgenommen. Der genesene Jamal Musiala hatte sich „seinen Einsatz verdient“, dafür rückte Thomas Müller auf die Bank. Ob es an der Absenz des Dauer-Antreibers lag oder nicht: Die Bayern kamen ganz anders aus der Kabine als noch fünf Tage zuvor. Die Anfangsphase gehört der Gastmannschaft von Erik ten Hag, die besser in den Zweikämpfen waren, aber auch von Fehlpässen und Abstimmungsproblemen der Löw-Elf profitierten.

Gleich in der fünften Minute musste Sven Ulreich gegen Christian Eriksen klären, immer wieder kam Manchester nach aggressiven Balleroberungen nach vorne. Die Bayern hingegen hatten keinen Spielfluss, dazu landeten lange Pässe immer wieder beim Gegner oder gar im Aus. Einziger Aktivposten der unkreativen Anfangsphase war Konrad Laimer, der erneut auf der rechten Seite verteidigte und immer wieder Sané suchte. Die Abstimmung stimmte oft nicht, aber als Bayern langsam ins Spiel kam, war der Nationalspieler zur Stelle. Das 1:0 entstand tatsächlich aus dem ersten Torschuss: Nach einem Doppelpass mit Harry Kane zog Sané aus 18 Metern ab – und profitierte vom Patzer von ManU-Keeper André Onana. Ein Treffer, der sich wenig angekündigt hatte, aber Selbstvertrauen gab. So viel, dass der zunehmend stärkere Musiala vier Minuten später drei Gegenspieler stehen ließ, auf Gnabry ablegte – und der Ball wieder im Netz zappelte.

Das 2:0 zur Halbzeit war schmeichelhaft. Aber als man dachte, die Gäste kommen nach dem schnellen Anschlusstreffer durch Höjlund (49.) noch mal ran, entschied der VAR auf der anderen Seite auf Handelfmeter. Besser als Kane kann man einen Strafstoß nicht schießen – 3:1. Die Casemiro-Tore hätte ManU reichen können, aber Tel war ja auch noch da. Fünf Minuten auf dem Platz, schon der wichtigste Mann. Löw schüttelte am Ende zufrieden die Hände. Der Auftakt der Mission, die am 1. Juni in Wembley enden soll, war wild, ist aber geglückt.

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