Den Sport stärken, Athleten fördern und am besten auch noch die Gesellschaft vereinen: Nicht weniger erwartet Thomas Berlemann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Sporthilfe, von möglichen Olympischen Spielen zuhause. Der 60-Jährige forciert eine Bewerbung Deutschlands für die Sommerspiele 2036 oder 2040 beziehungsweise die Winterspiele 2038/42. Angesichts der schwachen Leistungen deutscher Athleten und der schlechten Stimmung im Land wären die Spiele ein „absoluter Gamechanger“, um die „Gesellschaft zusammenzuschweißen“. Der Wettbewerb würde außerdem „die Werte des Sports in alle Zweige der Gesellschaft“ übertragen, so Berlemann.
Das hört sich erst mal toll an, wirft aber die Frage auf, was der Sport denn noch alles leisten soll. Schließlich erwartet auch Turnier-Boss Philipp Lahm von der anstehenden Heim-EM eine heilende Wirkung gegen die Spaltung der Gesellschaft. Sogar ganz Europa solle durch das Turnier im nächsten Sommer geeint und wieder an die gemeinsamen demokratischen Werte erinnert werden.
Natürlich stimmt es, dass ein Turnier im eigenen Land die Stimmung aufhellen kann. Und auch gegen die Spaltung hilft es, wenn für ein paar Wochen alle das gleiche Team anfeuern. Dabei sorgt aber kein Turnier ganz allein für gute Laune – vielmehr braucht es dafür auch guten Sport. Dass es neben den Enttäuschungen im Fußball und der Leichtathletik auch Lichtblicke gibt, haben die Basketball-Weltmeister gerade bewiesen. Und wenn die Fußballer wissen wollen, wie Vorfreude aussieht, müssen sie nur zum Handball schauen: In knapp 100 Tagen startet die Heim-EM, die Veranstalter melden schon jetzt ausverkaufte Spiele und Rekorde beim Ticketverkauf. Die Aussicht auf gemeinsame, vielleicht sogar sinnstiftende Sporterlebnisse vor der eigenen Haustür ist für viele Zuschauer sicher ein Grund für die vielen verkauften Tickets – viel wichtiger ist aber der aktuelle Erfolg: Der fünfte Platz bei der WM Anfang des Jahres hat Lust auf mehr gemacht.
Sollten die Handballer bei der EM im Januar wieder erfolgreich sein, hofft man auch beim DFB auf eine Initialzündung im Land. Damit die Elf von Julian Nagelsmann ein halbes Jahr später ähnlich gefeiert wird, bräuchte es vorher trotzdem ein paar eigene Erfolgserlebnisse – vielleicht klappt es dann auch mit dem Zusammenhalt.
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