Hiller-Patzer zieht die Löwen runter

von Redaktion

Aufsteiger SSV Ulm bringt Jacobaccis Team die fünfte Saison-Niederlage bei – Lang verletzt

VON ULI KELLNER

Ulm – Zwei-vier-zwei. Was klingt wie eine taktische Formation (nach zwei Platzverweisen), war die Startbilanz der Löwen bis zum Anpfiff in Ulm am Dienstagabend. Vier Siege, unterbrochen durch vier Niederlagen – die vom Trainer erwartete Tendenz war also noch nicht zu erkennen. Und gestern? Durch eine verdiente 0:1-Pleite beim Aufsteiger geht’s erst mal zurück Richtung Souterrain der Tabelle. Ein Patzer von Marco Hiller hatte 1860 früh aus dem Konzept gebracht, begünstigt durch starken Wind. Kapitän Jesper Verlaat schimpfte: „Dass dann so ein Eierding von der Seitenlinie hinten ins Eck reinflattert, ist bitter. Ich finde aber, dass wir gut reagiert haben – vor der Pause.“ Kritik übte er am Auftritt danach: „Da haben wir alles fliegen lassen. Zu ungeduldig, kein Positionsspiel, alle zweiten Bälle weg – es ärgert mich, dass wir es nicht hinkriegen, auch mal einen Rückstand aufzuholen.“

Pünktlich zum Anpfiff war Schluss mit dem Herbstsommer, der das Land über Wochen in Urlaubsstimmung versetzt hatte. Fieser Regen setzte ein, auch besagter Wind – passend dazu kam noch das Element Feuer, für das zu Beginn nicht die mitgereisten Löwen-Fans sorgten, sondern die Ultras der Spatzen, die große Fußballabende herbeigesehnt hatten. Nach dem Bundesliga-Intermezzo 1999/2000 ging’s runter bis zum Tiefpunkt Oberliga Baden-Württemberg – und mühsam wieder hinauf. Auch das letzte ausverkaufte Heimspiel lag lange zurück (23 Jahre, DFB-Pokal gegen Frankfurt). Gestern war’s mal wieder so weit. Zahlenmäßig und stimmlich hielten sich SSV-Fans und TSV-Fans die Waage. 8000 aus München, viele noch im Wiesn-Fieber, hatten die Reise über die A8 mitgemacht.

Vorfreude, die schon früh einen Dämpfer erhielt. Nach einem abgewehrten Eckball kamen die angriffslustigen Ulmer zu einer zweiten Hereingabe an der anderen Eckfahne. Bastian Allgeier nahm Maß, der Ball wurde lang und länger – und senkte sich über den überraschten Hiller ins Tor der Gäste (9.). Für 1860 eine kalte Dusche nach zwei Partien ohne Gegentor.

Und eine harte Probe für Trainer Maurizio Jacobacci, der gerade erst seine Vorliebe für Defensivfußball neu entdeckt hat. Gestern schickte der Italo-Schweizer Tim Rieder als zusätzlichen Mann in die hinterste Linie. Davor reihte sich Marlon Frey als zweiter Sechser ein. Taktisches Opfer war der gegen Verl agile Kilian Ludewig, der aber nur eine halbe Halbzeit zuschauen musste. Rechtsverteidiger Niki Lang humpelte vom Feld (25.) – mit dick bandagiertem Knie. Immerhin: Der frühe Wechsel diente den Kollegen als Weckruf.

Die Löwen wurden jetzt mutiger. Insbesondere Eroll Zejnullahu tat sich hervor; einmal verpasste er den Zeitpunkt des Abspiels (zum frei mitgelaufenen Zwarts), einmal zwang er SSV-Keeper Christian Ortag per Gewaltschuss zur Glanzparade (32.). Pech war dabei, als Albion Vrenezi nach seinem Traumpass im Ulmer Abwehr-Dickicht hängen blieb (42.). Mit dem knappen, aber nicht unverdienten Ulmer Vorsprung ging’s in die Pause.

Nach dem Wiederanpfiff zeigten dann die Löwen-Fans, dass auch sie über ein Arsenal an Pyroware verfügen. Das Feuerwerk zog strenge Ermahnungen durch den Stadionsprecher nach sich. Auch Jacobacci erhielt wenig später eine Ermahnung – in Form einer Gelben Karte. Verständlich, dass beim 1860-Coach die Nervosität stieg, denn das Spiel beider Mannschaften verlor an Intensität. Greilinger kam für den schwachen Frey, doch bis auf Böller und Gesänge blieben die Löwen ein unauffälliger Gast. „Am Ende war’s ein Hin- und Hergegurke“, sagte Rieder: „Ich denke, ein Unentschieden wäre trotzdem verdient gewesen.“

Am Samstag geht’s weiter mit dem Kracherspiel gegen Tabellenführer Dresden (14 Uhr, BR live). Um den Anschluss nach oben nicht zu verlieren, muss fast schon ein Sieg her – und um Jacobaccis Bilanz wieder auszugleichen.

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