Oldenburg – Für ein paar kurze Momente schien dann doch auch in Oldenburg alles so zu laufen, wie es doch eigentlich laufen muss. Die Basketballer des FC Bayern zogen in der Defensive die Zügel an. Und vorne tat Andi Obst das, was Andi Obst gerne macht – er versenkte Dreier. Aus zwischenzeitlich elf Punkten Rückstand war da plötzlich nur noch einer geworden (57:58).
Doch es scheint zum Zeichen dieser ersten Saisonphase zu werden: Die neu formierten Bayern tun sich noch schwer, ihr Potenzial wirklich über einen längeren Zeitraum abzurufen. Oldenburg versuchte es mit Aggressivität und Intensität und hatte damit Erfolg. Am Ende stand ein verdientes 77:67 (45:39) für das Team, dem viele zutrauen, der Hauptherausforderer der Euroleague-Clubs aus München und Berlin zu werden. Und Nelson Weidemann, in seinen gut acht Einsatzminuten einer der Lichtblicke des FC Bayern, machte das Problem vor allem in den eigenen Reihen aus. „Für uns war es ein Reality Check“, sagte er, „Wir müssen gegen jeden Gegner mit gleicher Physis spielen. Wir müssen eine gewisse Grundkonsequenz haben und die das ganze Spiel durchziehen, so wie wir das im ersten Viertel gemacht haben.“
Trainer Pablo Laso hatte nach dem Auftaktspiel am Freitag gegen den Mitteldeutschen BC ja ähnlich geklungen. „Es ist wichtig, dass wir die Energie des Gegners matchen“, hat er da gesagt. Gegen die Weißenfelser war das über weite Strecken gelungen. In Oldenburg aber nicht, zumal die Niedersachsen in ihren beiden Spielgestaltern Charles Manning und Dewayne Russell ein Gespann aufboten, gegen das den Bayern nicht viel einfiel. 36 der 77 Oldenburger Punkte trugen die Namen Manning und Russell.
Und die Münchner versuchten über weite Strecken, sich alleine spielerisch zu befreien. Das endete allzu oft irgendwo in der zupackenden Oldenburger Defensive. Überschaubare 13 Korbvorlagen sind für das stockende Spiel schon ein ganz guter Beleg. Letztlich sprengten diesmal auch nur die beiden Weltmeister Isaac Bonga (16) und Andi Obst (14) die Zehn-Punkte-Marke.
Laso indes wollte sich zumindest offiziell mit dem missratenen Auftritt lieber nicht weiter befassen. „Für uns geht es jetzt darum, das Spiel schnell zu vergessen“, sagte er. Schon am Donnerstag ist man wieder gefordert. Dann folgt der Startschuss in der Euroleague, zum Auftakt wartet gleich das deutsche Duell mit Alba Berlin im BMW-Park.
Dann werden sich die Bayern sicher nicht noch einen ähnlich zurückhaltenden Auftritt wie in Oldenburg erlauben dürfen. Allerdings, und das ist der Vorteil des großen Münchner Kaders, dürfte Pablo Laso sein Ensemble dann auch noch einmal anders aufstellen. Wohl mit dem, noch im Aufbau befindlichen Neuzugang Serge Ibaka. Aber auch mit Rebound-Spezialist Freddie Gillespie, der in Oldenburg noch geschont wurde. Beide sind als kompromisslose Defensivkräfte bekannt. Und das können die Bayern in diesen ersten Saisontagen nur allzu gut brauchen.