Der Superstar gibt das Ja-Wort

von Redaktion

Roglic wechselt zum Rennstall Bora-hansgrohe, der nun die Tour de France gewinnen will

VON PATRICK REICHELT

München – Wer Großes vorhat, geht auch bei Kleinigkeiten auf Nummer sicher. Und so hat auch Ralph Denk das Treffen, das die Dinge für seinen Bora-hansgrohe-Rennstall entscheidend verändern soll, kurzerhand in Salzburg anberaumt. Dort hatte der 49-Jährige vor acht Jahren schon einmal ein vielversprechendes Treffen mit Primoz Roglic. Und diesmal hatte das Gespräch auch ein gutes Ende. Der slowenische Radstar gab Denk das Ja-Wort. Von der kommenden Saison an wird Roglic das Bora-hansgrohe-Trikot überstreifen. „Ein Meilenstein für uns“, wie Denk betont.

Zumindest katapultiert der Deal den Rennstall direkt in die vorderste Reihe der Szene. Bora-hansgrohe könnte zum heißen Anwärter auf die ganz großen Kuchenstücke werden. Auch für die Tour de France, die so ziemlich das Einzige ist, was dem Ausnahmekönner aus dem Städtchen Tribovlje in seiner illustren Karriere noch fehlt. Klassische Win-win-Situation. Bora-hansgrohe bekommt einen der weltbesten Klassement-Fahrer – Roglic eine auf ihn zugeschnittene Mannschaft.

Und am Ende ist es wohl genau das, was Roglic in Denks Arme trieb. Bei seinem bisherigen Rennstall Jumbo-Visma war der 33-Jährige zuletzt aus der ersten Reihe abgerutscht. Das Team setzt zunehmend stärker auf den jüngeren Dänen Jonas Vingegaard. Zuletzt bei der Spanien-Rundfahrt musste sich Roglic per Teamorder auch noch hinter US-Boy Sepp Kuss anstellen. „Er ist in der Konstellation nicht mehr glücklich. Das haben wir natürlich genau beobachtet und haben dementsprechend auch Kontakt aufgenommen“, sagte Denk. Die hartnäckigen Gerüchte über eine Fusion des Topteams Jumbo Visma mit Haupt-Herausforderer Soudal Quick-Step, die auch noch Senkrechtstarter Remco Evenepoel an Vingegaards Seite bugsieren würde, dürften ein Übriges getan haben.

Natürlich klingt der Handel mit einem der Großverdiener der Szene auch riskant. Über Zahlen wollte Ralph Denk erwartungsgemäß nicht sprechen, ordnete aber immerhin ein, dass sein Rennstall den Handel aus eigener Kraft stemmen wird. Kein Sponsor musste draufpacken. „Wir finanzieren das aus Eigenmitteln und Festgeldern“, erklärte Denk. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass Bora-hansgrohe seine Möglichkeiten noch weiter auslotet. Ziemlich wahrscheinlich wird mit Primoz Roglic auch dessen Trainer Marc Lamberts die Seiten wechseln. Was schon zu weiteren Spekulationen führt, denn Lamberts hat mit Wout van Aert einen weiteren Topstar unter seinen Fittichen.

Ok, in solchen Kategorien werden Ralph Denk und Kollegen vermutlich nicht noch einmal denken. Und doch hält man sich die Option auf weitere Verstärkungen offen – alleine die mögliche Fusion der Radsport-Giganten könnte den ein oder anderen starken Helfer auf Jobsuche bringen. Denk jedenfalls deutet an: „Wir beobachten den Markt.“

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