„Potenzial für künftigen Topspieler“

von Redaktion

Erstes DEL-Tor von Veit Oswald – und der Trainer freut sich mit

München – Veit Oswald, 19, steht nach dem Spiel gegen die Iserlohn Roosters (4:0) vor einer Wand, an der die Logos der Sponsoren prangen, und gibt Interviews. Die klassische Ich-bin-ein-gefragter-Mann-Szenerie. Chris DeSousa und Andy Eder kommen vorbei, sie tun kurz so, als wären auch sie interessierte Reporter, halten Oswald ein imaginäres Mikrofon und eine umgedrehte Mineralwasserflasche vor den Mund. Veit Oswald lacht: Kameraden-Blödsinn, da muss er jetzt durch. Der freudige Anlass: Er hat sein erstes Tor in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) geschossen, das ist in diesem Sport wie eine Taufe.

„Ein paar Jungs“, erzählt er, „haben schon über einen Kabinenfest gesprochen. Ich hoffe aber, das geht nicht durch.“ Im Ernst: „Die haben sich alle für mich gefreut.“ Und besonders hat dies der Trainer des EHC Red Bull München getan, Toni Söderholm. Der schätzt den Stürmer aus Landshut schon „für seine tolle Einstellung. Wie er jeden Tag zur Arbeit kommt, das zeigt, dass er Profisport versteht.“ Darum gibt es für den 19-Jährigen eine leuchtende Prognose: „Wir sehen in Veit das Potenzial für einen künftigen Topspieler.“

Veit Oswald, dessen Vater Günther Nationalspieler war, wurde nicht in der Salzburger Akademie ausgebildet, sondern spielte für den EV Landshut in der Deutschen Nachwuchs-Liga. 2022 wechselte er nach München (und Oswald senior arbeitet seitdem auch in der Akademie). Zum ersten Tor hat es 33 DEL-Spiele gedauert. Vorige Saison musste Veit Oswald seine Spielzeit splitten: halb in München, halb beim Kooperationspartner SC Riessersee in der Oberliga. Damals war der EHC im U 23-Bereich aber opulenter besetzt als heute; inzwischen sind Maksymilian Szuber (21) und Julian Lutz (19) nach Amerika gewechselt, Oswald ist im Ranking der Jungen, von denen immer drei aufgestellt werden müssen, hinter Vizeweltmeister Filip Varejcka (22) die Nummer zwei. „Ich habe es trotzdem im Kopf, dass ich mir meinen Platz erarbeiten muss“, sagt Oswald.

Ohne dass man das beim EHC explizit so ausdrücken würde: Die Einstellung hebt Oswald ab vom gleichaltrigen Julian Lutz, den man diese Saison in der US-Juniorenliga spielen lässt. Lutz, 2022 Zweitrunden-Draft der Arizona Coyotes aus der NHL, ist begabter – aber zündete in München noch nicht.

Oswald arbeitet viel, aber manchmal zu verbissen. „Er ist sehr hart mit sich“, sagt Söderholm. Oswald nicht: „Ich werde zu schnell frustriert. Ich versuche das, im Kopf auszublenden.“ Sein Senior ist wohl auch kritisch mit ihm. „Vielleicht“, sagt Veit, „gratuliert er mir heute mal.“ Aber Eishockey stehe im Familienkreis „eigentlich an letzter Stelle. Wenn es nicht läuft, bekomme ich zuhause einen positiven Tank.“ GÜNTER KLEIN

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