Frankfurt/Main – Julian Nagelsmann lächelte spitzbübisch. Dem neuen Bundestrainer ist mit der unerwarteten Rückkehr von Mats Hummels sowie der Nominierung der Neulinge Chris Führich, Kevin Behrens und Robert Andrich für die USA-Reise eine Überraschung zum Start gelungen. Nebenbei kündigte Nagelsmann das von seinem Vorgänger Hansi Flick ausgerufene Ende der Experimente auf und machte seinen Stars acht Monate vor der Heim-EM eine klare Ansage.
„Jeder“, betonte der 36-Jährige in einem vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) veröffentlichten Interview, „soll top fokussiert sein und mit dem nötigen Spaß, der nötigen Lust und vor allem der nötigen Gier die USA-Reise bestreiten“. Nagelsmann trat damit der von Clubs und Spielern geübten Kritik an der Tour mitten in der Saison entgegen.
Die unter Flick etablierten Dortmunder Emre Can und Nico Schlotterbeck sind in den Spielen am 14. Oktober in Hartford gegen Gastgeber USA (21.00 Uhr MESZ/RTL) und vier Tage später in Philadelphia gegen Gold-Cup-Sieger Mexiko (2.00 Uhr MESZ/ARD) nicht dabei. Doch Nagelsmann machte dem Duo und weiteren nicht berücksichtigten Spielern wie dem Leipziger Timo Werner Mut: „Wir sind im Oktober und noch weit genug weg von dem großen Event im Sommer. Für alle Spieler, die jetzt nicht mitfahren dürfen, ist die Tür niemals zu.“
Vorgänger Flick hatte zuletzt betont, dass sich die Mannschaft mit Blick auf das erhoffte Sommermärchen 2.0 im nächsten Jahr nun finden müsse. Hummels spielte in seinen Überlegungen keine Rolle, doch Nagelsmann geriet bei der Begründung für die Rückkehr des Routiniers nach über zwei Jahren ins Schwärmen. „Durch seine Erfahrung“, ist sich der Ex-Bayern-Coach sicher, „ist er auch gut im Coaching“. Hummels soll „mit seinem taktischen Verständnis die anderen Jungs mitführen“.
Der 34-Jährige hatte das bisher letzte seiner 76 Länderspiele im EM-Achtelfinale 2021 gegen England (0:2) unter Joachim Löw bestritten. „Wir brauchen gerade in der Kette Spieler, die viel sprechen und coachen, die von hinten einfach steuern, wie wir pressen und eröffnen“, erläuterte Nagelsmann seine Entscheidung, die auch durch den „exzellenten Spielaufbau“ von Hummels beeinflusst wurde.
Neuen Schwung verspricht sich der Bundestrainer vom erstmals für die DFB-Auswahl nominierten Trio Führich (Stuttgart), Behrens (Union Berlin) und Andrich (Leverkusen). „Es wird uns guttun, neue Gesichter im Training zu haben, die ein Leuchten in den Augen haben, wenn sie ein Länderspiel bekommen“, so Nagelsmann, der auf die verletzten Serge Gnabry, Benjamin Henrichs und Kevin Schade verzichten muss.
Dafür setzt Nagelsmann wieder auf den zuletzt unter Flick ausgemusterten Leon Goretzka. Auch Thomas Müller ist im 26er-Kader mit vier Torhütern dabei und einer von fünf Münchnern.
Vor dem Abflug vom Frankfurter Flughafen am Montag übermittelte Nagelsmann seiner neuen Mannschaft noch einige Wünsche. Er hoffe, „dass wir uns schnell aneinander gewöhnen“. Zudem soll die EM erst einmal ausgeblendet werden. „Es ist wichtig, dass wir uns im Hier und Jetzt bewegen und nicht zu viel von der EM sprechen. Wir müssen im Mannschaftskreis eine Stimmung erzeugen, die für uns wertvoll ist. Das Event kommt von alleine“, sagte Nagelsmann. dpa