Saudi-Arabiens Offensive

2034 soll dann keiner schreien

von Redaktion

MATHIAS MÜLLER

Der Fußball ist nur eine von vielen Spielfiguren in Saudi-Arabiens großem Master-Plan, wenn auch eine wichtige. Bis 2030 will das Wüstenland seine Stellung in der Welt ausbauen und festigen. Der Sport ist dabei Mittel zum Zweck. Bunte Bildchen von Ronaldo, Neymar & Co. sollen von den dunklen Gräueltaten des Königreichs ablenken. Sportswashing in reinster Form, rufen deshalb Kritiker empört und ernten nur ein müdes Lächeln von Kronprinz Mohammed bin Salman. Der Herrscher bestreitet die Vorwürfe nicht, sie sind ihm einfach egal.

Während viele Profis das Blutgeld mit Kusshand nehmen, dass der Geldbeutel überquillt, schlagen insbesondere Verfechter der westlichen Werte-Welt die Hände über dem Kopf zusammen. Auch unsere Zeitung berichtet oft kritisch über das Land, das sich zwar ein Stück weit (vermeintlich) öffnet, in dem aber Hinrichtungen und Inhaftierungen Andersdenkender nach wie vor auf der Tagesordnung stehen. Um einen noch besseren Blick auf das umstrittene Königreich zu bekommen und Dinge mit eigenen Augen zu sehen, ist unser Reporter Philipp Kessler nach Saudi-Arabien gereist und hat dort nicht nur Fußballspiele besucht, sondern auch einige Gesprächspartner getroffen. Ex-Bayern-Boss Oliver Kahn erklärt uns, warum er kürzlich in der Wüste war. Mit Christiano Ronaldos Clubchef Marcelo Salazar haben wir über mögliche neue Stars und mit Trainer-Weltenbummlerin Monika Staab über den Frauenfußball gesprochen. Auch Robert Bauer, der derzeit einzige deutsche Profi in der Saudi Pro League, kommt zu Wort.

Wer Wandel will, der braucht Austausch und Begegnung. Der Sport (genauso wie die Wirtschaft und die Politik) könnte mit einer kritischeren Haltung einen positiven Beitrag dafür leisten. Doch bisher lässt man den Kronprinzen auf dem Spielbrett frei schalten und walten. 2034 will Saudi-Arabien als Krönung die Fußball-WM ausrichten – DFB-Präsident Bernd Neuendorf und alle anderen europäischen Bosse haben wissentlich indirekt dafür gestimmt, in dem sie die Giga-Gaga-WM 2030 mit sechs Ausrichtern durchgewunken haben. Als die Menschrechtsdiskussionen kurz vor der Katar-WM 2022 immer lauter wurden, war der Einwand, warum bei der Vergabe 2010 alle so stumm geblieben seien, nicht ganz falsch. Nun wiederholt sich das Schauspiel. Wer jetzt nicht gewisse Voraussetzungen an einen WM-Gastgeber einfordert, der braucht 2034 nicht aufzuschreien.

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