München – 13 Punkte aus den ersten zehn Spielen – obwohl die Löwen kein Saisonziel formuliert haben, tun sich Fans und Spieler schwer damit, den Start ins sechste Drittligajahr einzuordnen. „Es könnte gefühlt ein bisschen mehr sein“, sagte Morris Schröter nach der Nullnummer gegen Dresden. Auch viele Fans sehen eher die fünf Niederlagen als die vier Siege (plus das 0:0 vom Samstag), eher die 17 Punkte, die das Team von Maurizio Jacobacci nicht geholt hat. Über die fünf Spiele ohne Gegentor freut sich dagegen der Trainer.
Ist das Glas also halb leer oder halb voll? War früher alles besser bei den Blauen aus Giesing? Ein Rückblick auf die Jahre seit dem Aufstieg in die 3. Liga zeigt: 13 Punkte nach zehn Spieltagen sind kein negativer Ausreißer an der Grünwalder Straße 114. Nur zweimal stand 1860 zu diesem Zeitpunkt wesentlich besser da, einmal sogar ziemlich viel schlechter . . .
Saison 2018/19
Daniel Bierofkas emotionalisierte Relegationslöwen brauchten nicht lange, um sich an die neue Spielklasse zu gewöhnen. Nach zehn Spieltagen war bereits alles dabei, von der furiosen Heimpremiere (5:1 gegen Lotte) über ernüchternde Heimpleiten (Krefeld, Wiesbaden) bis hin zum locker-leichten Auswärtssieg (4:1 in Aalen). Nach Vergleichszeitpunkt belegten die Biero-Löwen Tabellenplatz acht – mit 13 Punkten wie jetzt, allerdings ausgewogener Sieg-Remis-Niederlagen-Aufteilung (3-4-3). Nach 38 Spieltagen stand Platz 12 zu Buche – mit 47 Punkten.
Saison 2019/20
14 Punkte nach zehn Partien (vier Siege, zwei Unentschieden, vier Niederlagen) – und trotzdem warf Bierofka vier Wochen später das Handtuch, auf Platz 15 liegend. Michael Köllner übernahm – und blieb 14 Spiele lang ungeschlagen, ehe der Post-Lockdown-Knick den möglichen Aufstieg kostete. Mit 58 Punkten liefen die Löwen als Tabellenachter ins Ziel.
Saison 2020/21
Platz zwei nach zehn Spielen mit 17 Punkten – der bis dato beste Start der Löwen in der 3. Liga (5-2-3). Es ergab sich in der Folge ein Herbsttief (fünf Spiele ohne Sieg), ein kleines Frühjahrstief – und später noch manch ärgerliches Unentschieden. Wer weiß, wie das Finale in Ingolstadt ausgegangen wäre, hätte 1860 in Wiesbaden (1:1) und gegen Absteiger Bayern II (2:2) nicht leichtfertig den am 35. Spieltag eroberten Relegationsplatz verspielt. Am Ende stand eine 1:3-Pleite im Audi-Sportpark, ein undankbarer vierter Platz (66 Punkte) – und das von Köllner angeordnete „Frustsaufen“.
Saison 2021/22
Die große Leere nach dem K.o. von Ingolstadt wirkte lange nach. Mit elf Punkten sorgten Köllners Löwen für die lausigste Zwischenbilanz nach zehn Runden: Jeweils zwei Siege und zwei Niederlagen standen zu Buche – bei sechs Unentschieden, von denen das gegen Türkgücü nachträglich annulliert wurde (weil der Rivale Insolvenz anmeldete). Und trotzdem: Dank eines Schlussspurts mit vielen Siegen reichten die 61 Punkte erneut zu Platz vier und dem Last-Minute-Einzug in den DFB-Pokal (durch ein 6:3 gegen Dortmund II).
Saison 2022/23
23 Punkte und Platz 1 nach zehn Spieltagen. Die Löwen zehrten lange von ihrem Rekordstart, machten in der Folge aber alles kaputt. Post-Wiesn-Krise, dann Köllner-Krise, gefolgt von Köllner-Aus, Gorenzel-Gemurkse und Jacobacci-Einstieg. Platz acht am Ende (mit 57 Punkten) hinterließ bei allen Beteiligten ein schales Gefühl.
Die laufende Saison
Und heuer? 13 Punkte sind mehr als 2021, könnten im Idealfall ein Sprungbrett sein, zumal der Relegationsplatz nur sechs Punkte entfernt ist. Noch ist bei Jacobaccis Team also alles im grünen bzw. blauen Bereich.