„Die Liga wird sehr schnell sehr erfolgreich“

von Redaktion

Eishockey-Nationaltorhüterin Sandra Abstreiter über die PWHL, in der sie Profi sein kann

München – PWHL, ein neues Kürzel in der Welt des Eishockeys. Steht für Professional Women’s Hockey League und bezeichnet die Frauen-Profiliga, die im Januar an den sechs Standorten Montreal, Toronto, Ottawa, New York, Boston und Minneapolis-St. Paul loslegen soll. Auch eine Deutsche wird dabei sein: Sandra Abstreiter (25), gebürtige Erdingerin, Torhüterin der deutschen Nationalmannschaft – und schon seit Jahren in Nordamerika unterwegs. Sie wurde von Ottawa gedraftet.

Frau Abstreiter, wie wird sich Ihr Leben in den kommenden Wochen gestalten?

Im Moment bin ich in Memmingen, das ist die perfekte Vorbereitung für mich. Ich kann fünfmal in der Woche aufs Eis, zweimal in den Kraftraum, gehe einmal noch zusätzlich für mich ins Fitnessstudio – und habe die Spiele in der Frauen-Bundesliga. Im November werde ich auf alle Fälle mit der Nationalmannschaft beim Deutschland Cup in Landshut sein, am 13. oder 14. dann rüberliegen. Das Camp in Ottawa geht am 15. November los.

Kurios ist: Ihr künftiger Club hat – wie die fünf anderen in der PWHL auch – noch keinen Namen und kein Logo.

Das ist schon ein bisschen komisch, ich warte die ganze Zeit, dass mal ein Logo rauskommt – aber es hieß, dass das eventuell zur Saisoneröffnung noch nicht vorliegen muss.

Haben Sie schon einen Vertrag unterschrieben?

Das haben nur die ersten drei Spielerinnen, die jede Mannschaft gedraftet hat. Mein Agent hat mit dem Manager des Teams kommuniziert und eine Zusammenfassung des Vertrags bekommen. Der Vertrag selbst liegt wohl noch bei der Liga,

Aber der PWHL kann man vertrauen? Bei vorangegangenen Projekten einer Profiliga wurden die Spielerinnen ausgebeutet.

Die PWHL hat gute Sponsoren und zwei Hauptinvestoren, die sie ermöglicht haben. Der eine ist die Mark Walter Group, die im Fußball beim FC Chelsea mit drin ist; sie ist sportinteressiert und weiß viel. Die andere Investorin ist Billie Jean King. . .

. . . die Tennislegende, die in ihrem Sport gleiche Bezahlung für die Frauen mit den Männern durchgesetzt hat. . .

. . . genau, sie ist dafür bekannt, dass sie den Frauensport nach vorne bringen kann. Mit den beiden wird die PWHL sehr schnell sehr erfolgreich sein können. Viele der amerikanischen und kanadischen Eishockeyspielerinnen waren in Turnierligen zugange, aber das hatte keine Zukunft. Ziel ist eine richtige Liga.

Januar ist aber ein später Beginn. Soll das mal an den normalen Kalender angepasst werden?

Die Saison soll zu normalen Zeiten stattfinden. Jetzt ist es erst einmal so, dass man gegen jede Mannschaft viermal spielen wird und die ersten Vier in die Playoffs kommen. Im April müssen wir fertig sein wegen der WM.

Sie sind mit 18 nach Amerika gegangen. Wie Nico Sturm aus der Männer-Nationalmannschaft, um Eishockey und Studium zu verbinden?

Ich hätte in Deutschland mit dem Studium zumindest mal angefangen, aber ehrlicherweise bin ich schon in erster Linie rübergegangen wegen des sehr viel besseren Niveaus im Eishockey. So professionell hätte ich es woanders gar nicht haben können. Und es hat sich gut mit dem Studium verbinden lassen. Mein Studium wurde durch das Eishockey bezahlt, ich habe den Bachelor in Management und sogar noch den Master of Business Administration, den MBA, gemacht,

Am College zu spielen bedeutet auch, sich, was Geld betrifft, an strenge Regeln zu halten.

Man zählt als Amateur, da darf kein Geld involviert sein, man darf nichts von außenstehenden Sponsoren annehmen. In den letzten zwei Studien-Jahren gibt es eine Ausnahme, aber nur für US-Studenten, die können Name-, Image- und Likeness-Deals eingehen, sich Sponsoren suchen, aber oft geht es da nur um Sachleistungen wie ein paar T-Shirts. Mich betraf das nicht, ich hatte ein Studentenvisum, da war es nicht mal erlaubt, einen Job haben.

Wurde es nicht knapp?

Nein. Kurse, Bücher, das alles war bezahlt. Vom Providence College gab’s pro Semester einen Scheck über 1000 Dollar zum so ausgeben, für die Freizeit.

Ist in Nordamerika auch unter Frauen und Mächen Eishockey Volkssport?

In Kanada noch einmal mehr als in den USA. Ich habe in einer Statistik gelesen, dass allein in Ontario doppelt so viele Mädchen Eishockey spielen wie in ganz Deutschland. Die Erfolge der kanadischen und amerikanischen Frauen liegen sicher an der riesigen Auswahl. Und es kommen auch Zuschauer. Ich erinnere mich an eine WM in Kanada, klassischerweise mit dem Finale USA – Kanada: Das war nicht in einer NHL-Arena, aber in einem guten, großen Stadion. Komplett ausverkauft, für Tickets wurden über 100 Dollar bezahlt.

Wo steht die deutsche Frauen-Nationalmannschaft?

Ich war bei drei Weltmeisterschaften dabei. Früher ist Deutschland oft auf- und wieder abgestiegen, das ist jetzt nicht mehr der Fall. Das Viertelfinale, das als Mindestziel ausgegeben wird, ist intern für uns nicht das wirkliche Ziel. Viele in der Nationalmannschaft sind drüben am College, wir haben Spielerinnen bei schwedischen Clubs – das ist der richtige Weg.

Die Bundesliga müht sich, aber sie hat mit den Amsterdam Tigers als Gastmannschaft aus den Niederlanden nur sieben Vereine.

Für mich persönlich ist die Bundesliga nicht die Zukunft, denn ich kann mich in einer anderen Liga, in der PWHL, besser entwickeln. Uns in Memmingen geht es gut, wir hängen an der Oberliga-Mannschaft der Männer dran, kriegen von den Sponsoren ab. Ingolstadt hat auch gute Voraussetzungen, weil es in der Saturn Arena spielt – allerdings müssen sie ihre eigenen Sponsoren besorgen. Doch viele Mannschaften haben schlechtere Bedingungen. Auch im Memmingen gibt es Spielerinnen, dieVollzeit arbeiten, und am Wochenende fährt man sechs, sieben Stunden im Bus für zwei Spiele nach Bergkamen. Die bayerischen Teams sind dominant, weil es hier mehr Spielerinnen gibt. Ich hoffe, Amsterdam bleibt länger dabei, und vielleicht gibt es mal eine Erweiterung der Liga nach Österreich oder Tschechien.

Sie sprachen eingangs den Deutschland Cup im November in Landshut an. Es finden zwei Vier-Nationen-Turniere an einem Ort statt, eines der Männer, eines der Frauen, eine Weltpremiere.

Die Männer werden, weil das immer so ist, mehr Zuschauer anlocken, Aber ich denke, dass wir gute Zahlen haben werden,

Interview: Günter Klein

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