Münchner Torschusskrise auch in der CHL

von Redaktion

EHC verliert gegen finnisches Top-Team Lukko Rauma 1:4 – Späte Entscheidung

München – Im Umlauf der Münchner Olympia-Eishalle waren am Dienstagabend einige Leute anzutreffen, die sich bei den Eishockeyspielen dort sonst nicht aufhalten: einige bärtige Kuttenträger, markante Erscheinungen. Ihre Westen verrieten die Herkunft: „Tschüss und tschau aus Crimmitschau“ stand darauf. Gäste vom DEL2-Standort aus Westsachsen. Aber warum auch nicht? Diese Woche ist Champions Hockey League (CHL), eine Liga, die die Hallen nicht füllt, beim Fachpublikum aber einen guten Ruf hat. Also kann man es so sehen: Der EHC Red Bull München, Meister aus dem Land des Vizeweltmeisters Deutschland, empfing Lukko Rauma, den aktuellen Dritten aus Finnland, das in den vergangenen Jahren alle Titel des internationalen Eishockeys abgeräumt hat. Zu sehen bekamen die Fans der Crimmitschauer Eispiraten eine 1:4 (0:1, 1:1, 0:2)-Niederlage des EHC München.

In der CHL wird diese Saison bereits – im Fußball kommt es nächstes Jahr – eine Gesamttabelle aller teilnehmenden Teams geführt. Der EHC ging als Dritter in den fünften der sechs Vorrundenspieltage, die vor ihm liegenden Växjö Lakers aus Schweden und Ilves Tampere aus Finnland waren bereits fürs Achtelfinale qualifiziert, der EHC muss(te) nicht ernsthaft fürchten, nicht unter den Top 16 zu landen. Trainer Toni Söderholm sah dennoch von Experimenten mit Nachwuchsspielern ab (war früher in München üblich): „Wir haben zwei Verletzte. Was soll ich noch groß wechseln?“ Es fehlten mit Ben Smith und Yasin Ehliz (Söderholm: „Eine kleine Blessur“) zwei Stürmer.

München erzielte vor 2462 Zuschauenden in der 9. Minute nach 34 Sekunden Überzahlspiel ein Tor, das aber nicht zählte. Grund: Torwartbehinderung. EHC-Sportchef Christian Winkler wunderte sich, „dass die Schiedsrichter es nicht angeschaut haben“; die Referees verzichteten auf den Videobeweis. Es waren dann die Finnen, die in Führung gingen. 13. Minute: Kim Nieminen (21), einer aus Lukkos Talentschuppen: Körpertäuschung, Flachschuss, 0:1.

Lukko Rauma, in der Saison 2021/22 schon einmal CHL-Gegner von München und im Viertelfinale knapp unterlegen (2:2, 1:2 nach Verlängerung), setzte dem EHC mit seinem flüssigen und strukturierten Spiel zu – und legte ein zweites Tor nach (Westerholm/27.). Vom DEL-Sonntagsspiel in Ingolstadt (0:2) schleppten die Münchner noch den Vorwurf ihres Trainers mit sich herum („In der Offensive harmlos“), Ryan McKiernan jubelte daher befreit, als es ihm kurz vor Ende des zweiten Drittels gelang, die 100 Minuten währende Torlosigkeit mit dem 1:2-Anschlusstreffer zu beenden.

Das beflügelte, im Schlussabschnitt trat Toni Söderholms Team dominant auf, die Expected-Goals-Wertung, die in der CHL geführt wird, schlug immer mehr zur Münchner Seite hin aus. Doch Rauma hatte in Daniel Lebedeff einen Torhüter, der auch im starken EHC-Powerplay nicht wankte. Aber dann war, als EHC-Kapitän Patrick Hager draußen saß, Lukko Rauma in Überzahl auf dem Eis und spielte das geduldig zum 3;1 aus (57./Westerholm). Gefolgt vom nächsten Westerholm-Treffer ins nun leere Netz. GÜNTER KLEIN

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