DFB-Start mit Dampf

von Redaktion

Kurz und klar: Nagelsmann beeindruckt bei ersten Einheiten seine Spieler

Foxborough – Julian Nagelsmann sprühte vor Energie. Im Sprint nahm der Bundestrainer die Treppe hinauf zum Trainingsplatz am Waldrand, jede zweite der 28 steinernen Stufen ließ er dynamisch aus. „Man merkt den Tatendrang, man merkt die Motivation“, schwärmte Kapitän Ilkay Gündogan vom neuen Chef. Nagelsmann legte bei seiner Premiere in den USA mit viel Lust und jeder Menge Feuer los – und versetzte einige seiner Stars regelrecht in Staunen.

„Ich fand es ein bisschen überraschend, dass er doch so groß ist“, berichtete Gündogan beeindruckt, „im Fernsehen habe ich das gar nicht so wahrgenommen, dass er echt eine gute Statur hat.“ Vor allem aber überzeugte der 36-Jährige mit viel Energie und Akribie.

Als er die Treppe am Trainingsgelände der New England Revolution in Foxborough hinaufgeeilt war, legte Nagelsmann gleich selbst Hand an. Vor seiner ersten Einheit platzierte er die neongelben und roten Stangen und Dummies auf dem Rasen, dann ging’s los. In kurzen schwarzen Hosen, die schwarzen Ärmel seines weißen DFB-Pullovers hochgekrempelt, dirigierte er seine Profis lautstark und gab Anweisungen. Kaum eine Aktion blieb unkommentiert.

„Kurz, knapp, konkret und klar“, kamen die Ansagen, berichtete Gündogan und lobte: „Das ist wichtig für diese Mannschaft.“ In zwei Sitzungen nach dem Frühstück und direkt vor dem Training hatte Nagelsmann sein Team vorbereitet. „Er will versuchen“, so Gündogan, „aus der wenigen Zeit, die wir haben, das Maximum rauszuholen.“

Das schien schon beim ersten Mal gut zu gelingen. Die Stars erlebten gleich das volle Nagelsmann-Programm. Hier präsentierte sich ein Trainer mit extremer Detailversessenheit. „Julian Nagelsmann ist ein Perfektionist, der uns alle besser machen kann“, sagte Stürmer Niclas Füllkrug.

Das hörte sich bei der ersten Übung, dem Aufbauspiel mit „Lockpässen“ auf den Sechser, bei der Nagelsmann immer wieder „Tiefe“ anmahnte, so an: „Anbieten! Flach spielen! Tempo wechseln!“ Oder, bei der folgenden Spielform, so: „Lass den Ball laufen! Schnell spielen! Hochgehen!“ Auch in den Kennenlern-Gesprächen außerhalb des Platzes, berichtete Jonas Hofmann, „geht es relativ schnell um Fußball“. Nagelsmann hat keine Zeit zu verlieren, vor seinem Länderspiel-Debüt am Samstag (21.00 Uhr MESZ/RTL) gegen Gastgeber USA hat er gerade mal vier Einheiten mit der Nationalmannschaft (zu der gestern verspätet Kai Havertz nach seiner Zahn-Operation stieß). „Wir sind noch in der Beschnupperungsphase“, sagte Gündogan, „aber man merkt, dass es technisch und taktisch auf sehr hohem Niveau zugehen wird.“

Auch der Spaß kommt nicht zu kurz, der neue Bundestrainer lebt ihn vielmehr vor. Als die meisten seiner Spieler den Platz schon verlassen hatten, spielte Nagelsmann mit seinem Staff um Sandro Wagner noch Ballhochalten – inklusive Ohrschnipser für den Verlierer unter dem Gejohle der Gewinner. Danach verabschiedete er sich mit einem „Servus“ – und hüpfte die Treppe genau so dynamisch wieder hinunter.  sid

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