Es war längst überfällig: Der Fan Club Nationalmannschaft verliert seine Monopolstellung, ab nächstem Jahr können sich auch private Fanvereinigungen ab einer Größe von elf Personen beim DFB registrieren. Nach 20 Jahren ist es nun also allen Anhängern möglich, eigene Clubs zu gründen und personalisierte Tickets für Heim- und Auswärtsspiele zu kaufen – und nicht nur denjenigen, die eine 30 Euro teure Jahresmitgliedschaft beim zentral gesteuerten Fanclub besitzen.
Die Maßnahme zeigt, dass ein Umdenken im DFB stattfindet: Vor der Heim-EM sollen auch Anhänger erreicht werden, die die hochgetriebene Kommerzialisierung ablehnten. So erhofft sich der Verband eine aktive Fanbeteiligung bei den Spielen. Nur: Kommt sie noch rechtzeitig?
Die langjährige Vormachtstellung des 50 000 Mitglieder umfassenden Clubs, der in Kooperation mit einem Getränkeriesen gegründet wurde, hat viele Fans abgeschreckt. Sponsored by Coca-Cola ist schließlich kein Satz, der aktive Fanherzen höherschlagen lässt. Im Gegenteil: Die vielen Reglementierungen im Mitspracherecht und bei den Choreos, sowie die Verzweigungen zu den Bossen beim DFB stellten für viele Zuschauer die Spitze eines Eisbergs der Entfremdung dar. Hilfreich waren da ebenso wenig skurrile Werbeideen wie die erzwungene Nutzung des Slogans „Die Mannschaft“. Zusätzlich gab es immer wieder kartellrechtliche Bedenken, schließlich wurden Anhänger regelrecht gezwungen eine Mitgliedschaft abzuschließen, wenn sie ein Ticket für ein DFB-Spiel kaufen wollten.
In den letzten Jahren wurden so immer mehr Anhänger vergrault, die für Atmosphäre und echte Emotionen hätten sorgen können. Die Stimmung ist – natürlich auch dank der schlechten sportlichen Ergebnisse – auf dem Tiefpunkt.
Nach dem ebenfalls umstrittenen Werbetrip in die USA stehen im nächsten Jahr noch elf Spiele an, dann geht die EM los. Vor allem die sieben Heimspiele dürften dabei als Gradmesser gelten, wie die Fans auf die neue Regel reagieren.
Dass sich das Klima in so kurzer Zeit vom Eventcharakter zu einer Sommermärchen-Stimmung à la 2006 wandelt, darf bezweifelt werden. Ein Schritt in die richtige Richtung ist es allemal.
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