Foxborough – Ilkay Gündogan und Thomas Müller beendeten die erste Trainingseinheit unter Julian Nagelsmann früher. Auf zwei Bällen am Strafraum sitzend beobachtete das Duo danach die jüngeren Kollegen und plauderte entspannt über Persönliches. Das vorzeitige Ende des Arbeitstages gestand der neue Bundestrainer seinem Kapitän Gündogan und Spaßvogel Müller gerne zu. Nagelsmann ist sich der Bedeutung der Routiniers bewusst und setzt daher bei seiner Premiere auf viel Erfahrung.
Während Vorgänger Hansi Flick noch das Projekt „Jugend forscht“ stärker förderte, sind gleich zwölf der 26 von Nagelsmann nominierten Profis 30 Jahre oder älter. „Für mich gibt es nur gut und besser, kein Alt oder Jung. Die besten Spieler sollten auf dem Platz stehen“, sagte Jonas Hofmann, der mit 31 auch schon zur alten Garde zählt. Dass eine gute Mischung für den Erfolg wichtig ist, erlebt er gerade bei Bayer Leverkusen. „Erfahrung tut einer Mannschaft gut und kann viel geben, das sieht man gerade an Leverkusen. Wir können uns aber auch bei den Jüngeren etwas abschauen, ein bisschen freier im Kopf und spielfreudiger sein“, sagte Hofmann.
So sieht es auch Nagelsmann. Der 36-Jährige holte für die Länderspiele am Samstag (21.00 Uhr MESZ/RTL) in Hartfort/Connecticut gegen Gastgeber USA und vier Tage später in Philadelphia gegen Mexiko (2.00 Uhr MESZ/ARD) Rio-Weltmeister Mats Hummels (34) nach über zwei Jahren zurück in die DFB-Auswahl. „Durch seine Erfahrung“, ist sich der ehemalige Bayern-Coach sicher, „ist er auch gut im Coaching.“ Hummels soll „mit seinem taktischen Verständnis die anderen Jungs mitführen“. Eine absolute Führungsrolle soll auch Gündogan spielen. Deshalb bleibt der Champions-League-Sieger auch unter dem neuen Coach Kapitän des viermaligen Weltmeisters. Seine große Erfahrung will der bald 33-Jährige weitergeben.
„Ich weiß, dass wenn man jung ist, wenn man nicht das Gefühl für gewisse Situationen auf dem Platz hat, dann trifft man manchmal Entscheidungen, die nicht so gut überlegt sind“, sagte Gündogan. Manchmal brauche man „ein bisschen Ruhe, ein bisschen Geduld“, führte er aus: „Und da besteht die Gefahr, wenn man in diesen Situationen nicht so oft war, dass man die falsche Entscheidung trifft.“ sid