Riad – Die Saudi Pro League (SPL) investiert weiter unaufhaltsam – und hat große Ambitionen. „Der Traum ist es, die unterhaltsamste Liga der Welt zu sein und dies mit der Welt teilen zu können“, sagt SPL-Geschäftsführer Carlo Nohra (55) im Gespräch mit unserer Zeitung. Der erste Schritt in diese Richtung wurde mit den Transfers von internationalen Superstars gemacht. Im Januar sorgte der Wechsel von Cristiano Ronaldo (38) zu Al-Nassr für einen globalen Knalleffekt und ordentlich Aufmerksamkeit für den Wüstenstaat. „Sein Einfluss auf die Liga war und ist enorm“, betont Nohra. „Er hat die Türen für alle anderen Spieler geöffnet, die danach zugekommen sind.“
Ronaldo, Karim Benzema (31/Al-Ittihad), Neymar (31/Al-Hilal), Roberto Firmino (32/Al-Ahli) – mit Blick auf seine Fähigkeiten und Titelsammlung würde theoretisch auch Bayern-Routinier Thomas Müller (34/Vertrag bis 2024) in diese Riege passen, oder? „Warum nicht?“, so Nohra. „Jeder, der der Liga Mehrwert und Qualität verleihen kann, ist willkommen.“
Auch abseits des Rasens will die Saudi Pro League an die Weltspitze. „Wir wollen die Monetarisierung maximieren und letztendlich wertvoller sein als jede andere Liga“, stellt Nohra klar. Die Saudi Pro League will in den nächsten zehn Jahren zu den Top 10 Ligen der Welt gehören. Schon jetzt zählt sie zu den drei umsatzstärksten des Globusses. Nohra: „Aber es gibt noch viel zu tun, vor allem am Produkt und an der Art und Weise, wie es angeboten und konsumiert wird. Es geht darum, den Finger am Puls der Zeit zu haben und in der Lage zu sein, flexibel genug zu bleiben, um den Anforderungen des Publikums gerecht zu werden.“
Laut Nohra müsse sich die Liga unter anderem an Daten und Technologie orientieren. Zudem stehe das Fan-Erlebnis ganz klar im Fokus. „Wir müssen uns neu definieren. Ich sage, wir müssen aufhören, nur unsere Event-Management-Rolle zu spielen, und stattdessen mehr für Unterhaltung sorgen. Vor allem auch in den Sozialen Medien, denn das ist es, was unsere Fans auf der ganzen Welt sehen wollen“, meint der gebürtige Libanese. „Die Menschen interessieren sich mehr als nur für die 90 Minuten Fußball. Sie interessieren sich für den Lifestyle der Spieler, die Hintergrundgeschichten, das, was im Training passiert. All das müssen neue Möglichkeiten sein, die wir in Betracht ziehen, um unser Produkt zu verbessern.“ Inspiration hole sich die Saudi Pro League dabei von den europäischen Top-Ligen Auch die Bundesliga gebe „tolle Erfahrungen“. Nohra bekräftigt: „Wir sind ein Unterhaltungsprodukt.“
Zur Wahrheit gehört aber auch: Saudi-Arabien und seine fußballerischen Vorhaben stehen immer wieder in der Kritik – wegen der Menschenrechtslage und Sportswashing-Vorwürfen. Darauf angesprochen verweist Nohra auf die verbesserte Situation. Seit fünf Jahren präsentiert sich Saudi-Arabien offener, hat auch die Regularien für Frauen gelockert. Am Wochenende starte zudem die saudische Frauenliga in die neue Saison. „Wir unterstützen diesen Prozess. Auch wenn es nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein ist, ist es dennoch ein Tropfen auf den heißen Stein, weil den Menschen hier Fußball so wichtig ist“, sagt der Liga-Boss. „Die Tatsache, dass wir über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen, sollte uns nicht weltweit zur Zielscheibe machen. Was wir hier tun, tun wir für das saudische Volk. Wir unterstützen ihre Ambitionen und Träume und sollten uns nicht dafür schämen.“
PHILIPP KESSLER