„Wir haben den perfekten Mix!“

von Redaktion

HANDBALL Füchse-Boss Bob Hanning über Berliner Stärken und die EM

Die Handball-Bundesliga spielt ein bisschen verrückt. Der TVB Stuttgart schlägt die SG Flensburg-Handewitt. Das Schlusslicht Bergischer HC bezwingt den zwischenzeitlichen Spitzenreiter MT Melsungen. Und Aufsteiger ThSV Eisenach besiegt am Montagabend die Rhein-Neckar Löwen. Von den Topclubs hielten sich bisher nur die Füchse aus Berlin schadlos. Wir haben mit Füchse-Boss Bob Hanning über sein Team und den bisherigen Saisonverlauf gesprochen.

Haben Sie heute schon auf die Tabelle der Handball-Bundesliga geschaut?

Nein, mein Blick ging heute nur auf die Tabelle der zweiten Liga nach meinem Sieg mit Potsdam am Montagabend in Vinnhorst.

Das aktuelle Klassement in Klasse eins dürfte Ihnen aber auch gefallen. Die Füchse sind die Nummer eins – und mit den Rhein-Neckar Löwen hat am Montagabend ein weiterer direkter Konkurrent durch die Niederlage in Eisenach Federn gelassen.

Ich schaue weniger auf das, was um uns herum geschieht, sondern vielmehr auf die Entwicklung unserer Füchse.

Was machen die Füchse bislang besser als ihre härtesten Rivalen?

Ich finde, dass wir eine großartige Teamchemie haben. Alt und Jung harmonieren gut. Wir haben nach den Erfahrungen aus der vergangenen Saison in den Bereichen Be- und Entlastung dazu gelernt – und das trotz des Abgangs von Spielmacher Jacob Holm nach Paris und der fehlenden Paul Drux und Fabian Wiede. Mit gutem Teamgeist und den nötigen Wechselstrategien funktioniert es bei uns.

Die verletzungsbedingten Ausfälle von Drux und Wiede tun dennoch weh.

Das kannst du als Team nicht einfach wegstecken. Wir haben nach einem Ersatz Ausschau gehalten mit der Maßgabe, dass er uns sofort helfen kann. Einen solchen Spieler haben wir nicht gefunden. Und dann gilt ganz klar bei mir: Unsere eigenen Talente haben immer Vorrang. Eingekauften Erfolg wird es bei mir nicht geben. Ich will unsere jungen Spieler zusammen mit den erfahrenen Kräften sehen. Stefan (Sportdirektor Stefan Kretzschmar, d. Red.) hat von mir die Freigabe, noch einen Spieler holen zu können. Aber nur einen mit Top-Niveau. Einen Ergänzungsspieler brauche ich nicht.

Was hat Sie bisher am meisten in der Bundesliga überrascht?

Ich habe Melsungen oft kritisiert – und das zurecht. Denn wenn ein Klub so viele Jahre nichts aus seinen Möglichkeiten macht, dann darf man das auch. Jetzt überrascht die MT positiv. Man hat das Gefühl, dass in Melsungen etwas wächst. Neben der MT und unserer Mannschaft zähle ich auch den ThSV Eisenach zu den positiven Überraschungen. Dort erlebt man Leidenschaft und Tradition pur.

Inwiefern kann die Spannung in der Bundesliga die Vorfreude auf die Heim-EM im Januar steigern?

Das wird auf jeden Fall dazu beitragen. Mein Eindruck ist allerdings auch, dass sich die Liga immer mehr von der Nationalmannschaft abkoppelt. Die Marke Handball-Bundesliga wird eigenständiger, unsere Liga ist nicht mehr so sehr vom Erfolg der Nationalmannschaft abhängig. Mein Wunsch ist es, die Stars in den Nationaltrikots, eine spannende Liga und eine erfolgreiche deutsche Mannschaft bei der EM zu erleben.

Artikel 8 von 11