Im Derby geht die Ketchupdose auf

von Redaktion

Fünf Münchner Tore beenden die Serie der Sieglosigkeit – Bittner fehlt gesperrt

VON GÜNTER KLEIN

München – „Bitte zusammenrücken!“, stand auf dem Videowürfel in der Münchner Olympia-Eishalle. Zum ersten Mal in dieser Saison war ausverkauft, zur Marke von 5728 trugen 800 Gäste aus Augsburg bei. Dass man zusammenrücken solle, das galt auch für die Mannschaft des EHC Red Bull München, die mit einer Negativserie von wettbewerbsübergreifend sechs Niederlagen ins Derby ging – und sich nicht noch einen Lapsus leisten sollte. Und tatsächlich ging die Ketchup-fla. . . die Ketchupdose auf. An einem Spieltag, der von Favoriten-Fails geprägt war (Niederlagen von Berlin und Mannheim), gewann der EHC mal wieder standesgemäß. Das 5:1 (1:1, 2:0, 2:0) hellt die Tabellensituation ein wenig auf. „Unser bestes Spiel der Saison als Team“, bilanzierte Chris DeSousa, der zwei Tore erzielte.

Auf beiden Seiten fehlte ein wichtiger Verteidiger. München musste auf Dominik Bittner verzichten, den der Disziplinarausschuss der Deutschen Eishockey Liga (DEL) für einen Check gegen Kopf und Nacken am Freitag in Schwenningen für eine Partie gesperrt hatte. Panther-Trainer Christof Kreutzer konnte den US-Amerikaner David Warsofsky nicht aufbieten, der zwei Tage zuvor Opfer einer gegen den Kopf gerichteten Attacke des Ingolstädters Travis St. Denis geworden war. Hier sprach die Liga für Täter St. Denis eine Sperre über vier Spiele aus, die angesichts des Videomaterials näher am Freispruch als am Urteil ist. Jedenfalls kann Warsofsky, vorige Saison nach einer Gehirnerschütterung mehrere Wochen bei einem Spezialisten in Chicago in Behandlung gewesen, nicht spielen. Untersuchungen werden in den kommenden Tagen stattfinden.

EHC-Abwehrspieler Jonathon Blum sah in der zu erwartenden Derby-Intensität eine Chance, aus dem Trott der letzten Wochen herauszufinden („Dass wir gewinnen können, wissen wir“), doch obwohl die Münchner Druck aufsetzten, gerieten sie erst einmal in Rückstand – in der 7. Minute, bei Augsburgs bis dahin einziger Vorwärtsbewegung. Der bei den EHC-Fans massiv in der Kritik stehende Andrew MacWilliam ließ sich an der blauen Linie überspielen, Chris Collins stürmte zum 0:1 davon.

Die Schwaben verteidigten verbissen, gerieten aber zweimal für vier Minuten durch Hoher-Stock-Vergehen in Unterzahl – und die sich auch dadurch ergebende Überlegenheit konnten die Münchner unter den Augen ihres alten Meistertrainers Don Jackson in Tore umsetzen. Das erste (16.) und zweite (24.) gelang Chris DeSousa, das 3:1 legte Jonathon Blum im Powerplay nach.

„Offensiv sind wir nicht sehr präsent“, übte der Augsburger Chris Collins Selbstkritik. Wobei er nicht nur sein erstes Tor in der DEL erzielte (er war aus Österreich gekommen), sondern mit einem Konter in der 39. Minute auch die beste Panther-Chance danach hatte. Der vorübergehend fast beschäftigungslose Torwart Mathias Niederberger stoppte Collins’ Sololauf. „Solche Scheibenverluste sollten wir vermeiden“, meinte Chris DeSousa.

Das Schlussdrittel bekam einen etwas anderen Charakter, weil Augsburg angreifen musste und München reagieren konnte. Das tat dann die junge Reihe des EHC, für die der 19-jährige Veit Oswald das 4:1 (53.) erzielte. Das 5:1 von Austin Ortega (54.) war dann die Ansage: Spiel entschieden.

Und so klang nach langer Zeit mal wiede eine Partie ohne Last-Minute-Aktionismus mit vom Eis genommenen Torhütern aus. Zu klar und entspannt war am Ende die Derby-Sache.

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