Frankfurt/Main – Überraschend kam die Nachricht nun wahrlich für niemand mehr. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und seine Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg haben ihre Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung beendet. Es ist der logische Schlussstrich unter die Tatsache, dass eine vermeintliche Traumehe seit Längerem in Trümmern lag.
Nach eingehender Analyse des enttäuschenden WM-Abschneidens mit dem historischen Vorrundenaus in Australien „bestand Einvernehmen, dass das Team einen personellen Neuanfang in der sportlichen Führung benötigt“, teilte der DFB nach einem gemeinsamen Treffen mit, das am Freitag angeblich in „vertrauensvoller Atmosphäre“ stattfand.
Die 55-Jährige kam mit keiner Silbe mehr zu Wort, soll allerdings zu finanziellen Abstrichen bereit gewesen sein, was die Vertragsauflösung für den klammen Verband vereinfachte. DFB-Präsident Bernd Neuendorf lobte artig die „wichtigen Impulse“ aus der Vizeeuropameisterschaft 2022 in England und „den enormen Schub für den Frauen- und Mädchenfußball“.
Tatsächlich hat der ganzheitliche Ansatz der Bundestrainerin geholfen, die gesellschaftliche Akzeptanz deutlich zu erhöhen. Auf der Strecke blieb die fußballerische Entwicklung. War schon das Viertelfinalaus bei der Weltmeisterschaft 2019 in Frankreich vermeidbar, geriet das diesjährige Turnier zum Offenbarungseid, bei dem auch Neuendorf kein gutes Bild abgab. Zunächst hatte der Verbandschef zu voreilig die Vertragsverlängerung mit der 2018 aus der Schweiz losgeeisten Voss-Tecklenburg bis 2025 verkündet, obwohl das Länderspieljahr bereits mit schwachen Vorstellungen startete. Töricht auch, ohne eingehende Aufarbeitung der Fußballlehrerin das Vertrauen auszusprechen. Wollte da jemand von den atmosphärischen Verstimmungen in Down Under nichts hören, weil er selbst gar nicht hinreiste?
Rückblickend frappierend, wie schnell „MVT“ intern an Rückhalt einbüßte. Vor einigen Monaten erklangen aus dem Präsidium erste (weibliche) Stimmen, doch mal zu überlegen, ob die gebürtige Duisburgerin vielleicht die Männer-Nationalmannschaft retten solle. Doch einer vermeintlichen Alleskönnerin, die ihren Nebenjob als ZDF-Expertin fortführen möchte, entglitt ihre Hauptaufgabe: das Frauen-Nationalteam physisch, strategisch und mental für gestiegene Herausforderungen zu wappnen.
Ihr WM-Quartier entpuppte sich als Eigentor, ihre Kommunikation geriet zum Desaster und ihre Personalauswahl sorgte für Kopfschütteln. Als der Bundestrainerin danach erste Vorbehalte gegen ihre Person übermittelt wurden, meldete sie sich Anfang September krank. Ehemann Hermann Tecklenburg plauderte bald darauf die „körperliche und mentale Erschöpfung“ seiner Gattin aus.
Das Vertrauensverhältnis zum DFB war zerstört, als die 125-fache Nationalspielerin einen Erholungsurlaub nutzte, um bei einer Baumesse und einem Zahnärztekongress zu sprechen, während ansonsten nur noch ihr Anwalt Christoph Schickhardt mit ihrem Arbeitgeber kommunizierte. Sich dann selbst auf den Sozialen Medien zu Wort zu melden, als gerade Bundeskanzler Olaf Scholz die Fußballerinnen auf dem DFB-Campus besucht hatte, geriet zum Affront.