Frankfurt am Main – Das „starke Zeichen“ aus dem organisierten Sport und die deutlichen Forderungen an die Adresse des Bundes bekam Nancy Faeser nicht mehr mit. Während die Innenministerin nach ihrer Stippvisite bei der DOSB-Mitgliederversammlung in Frankfurt zur Gruppenauslosung der Fußball-EM nach Hamburg eilte, erhielt der Deutsche Olympische Sportbund in einem einstimmigen Votum grünes Licht für den nächsten Schritt im Olympia-Bewerbungsprozess – und verlangt nun in finanzieller Form ein „klares Bekenntnis“ aus Berlin.
Das laute Ja der 466 Delegierten im Saal „Horizont“ des Kongresshauses Kap Europa sei „ein starkes Zeichen“, freute sich DOSB-Präsident Thomas Weikert und fügte hinzu: „Wir gehen Olympia und Paralympics in Deutschland an. Ob Sommer oder Winter: Wir kneifen nicht!“ Aber: „Worte allein reichen auf Dauer nicht.“
Es müssten nun auch „Taten folgen, denn nur wenn der Sport und auch die Bundespolitik frühzeitig das gemeinsame und glaubhafte Signal aussenden, ja wir wollen Olympische und Paralympische Spiele nach Deutschland holen, haben wir eine Chance, die Bevölkerung zu überzeugen.“
Faeser hatte dem DOSB zuvor in ihrer Rede finanzielle Mittel zugesichert, ohne allerdings konkret zu werden. „Der Bund will eine starke, glaubwürdige Bewerbung. Und wir werden den DOSB dabei unterstützen“, sagte die SPD-Politikerin: „Gemeinsame Verantwortung heißt auch, sich zur gemeinsamen finanziellen Verantwortung zu bekennen.“
Jörg Ammon, Vorsitzender des Bayerischen Landes-Sportverbandes, wünscht sich aber mehr. Die Unterzeichnung einer Absichtserklärung sei seine „klare Erwartungshaltung“ an das für den Sport zuständige Ministerium. Mehrere mögliche Ausrichterstädte haben dies bereits getan. Allerdings: Durch die Haushaltssperre kann der Bund derzeit keine finanziellen Zusagen für 2024 geben.
Dennoch: Der DOSB wird nun auf Grundlage der sogenannten Frankfurter Erklärung ein Feinkonzept erstellen, das in der zweiten Jahreshälfte 2024 der Öffentlichkeit präsentiert werden soll. Dann wird endlich greifbar, was bislang noch abstrakt daherkommt. Ziel ist eine Kandidatur für die Sommerspiele 2036 oder 2040. Aus Gründen der Nachhaltigkeit könne man keine neuen Stadien bauen, keine neuen Stätten, sagte Weikert im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF. „Deswegen werden wir in den fünf Regionen nicht alle Sportstätten haben. Deshalb kommt für uns vermutlich nur in Betracht, zwei Städte, zwei Regionen. Das ist vernünftig“, sagte der 62-Jährige am Samstagabend. Berlin und München hätten jeweils ein Olympiastadion und beide Städte seien interessiert daran, Olympische Spiele zu haben. „Es gibt auch in anderen Städten schöne Stadien“, sagte Weikert.
Gegensätzlich zur Haltung der Bundesregierung positioniert sich der DOSB neuerdings in der Russland-Frage. Trotz des andauernden Angriffskriegs auf die Ukraine spricht sich der Dachverband nun für die Eingliederung neutraler Athletinnen und Athleten aus Russland und Belarus in den Weltsport aus. Die veränderte Position, die das Präsidium Anfang November beschlossen hatte, stellte der DOSB auf seiner Mitgliederversammlung vor.
„Das ist die Meinung des deutschen Sports“, sagte Präsident Thomas Weikert und fügte Mikrofon hinzu: „Die Ukrainer nehmen wieder teil, wenn Russen und Belarussen da sind. Das ist auch für uns der Anlass gewesen zu überprüfen, ob wir unsere Meinung dazu anpassen müssen.“
Ist das wirklich die Meinung des deutschen Sports? Der Verein „Athleten Deutschland“ bleibt weiter bei der Forderung eines Totalausschlusses von Russland im Weltsport. Man überprüfe die eigene Position aktuell zwar neu, „nach derzeitigem Zwischenstand sehen wir allerdings keinen Anlass oder fundamental neue Entwicklungen, die eine Änderung unserer Position rechtfertigen“, sagt unserer Zeitung Maximilian Klein, Direktor für Sportpolitik und Strategie.