Chefin an der Seitenlinie

von Redaktion

Vorbild Union? Bei Ingolstadts U19 hat schon lange eine Frau das Sagen – Sabrina Wittmann

Ingolstadt – Bei Union Berlin sorgte zuletzt eine Frau an der Seitenlinie für Aufsehen: Marie-Louise Eta ist Co-Trainerin, zumindest interimsweise auch unter dem neuen Trainer Nenad Bjelica. Eine Altersklasse tiefer, bei der U19, macht Sabrina Wittmann das schon länger – als Cheftrainerin. Die 32-jährige ist seit zweieinhalb Jahren Trainerin der U19 in der Bundesliga Süd/Südwest. Und das mit Erfolg: Nach zwei harten Saisons im Abstiegskampf spielen die Ingolstädter bislang eine Top-Saison. Platz Drei – vor den bayerischen Rivalen FC Augsburg, 1860 München und dem FC Bayern. Zudem die zweitbeste Defensive der Liga und die stärkste Auswärtsmannschaft. „Dieses Jahr ist unser Teamspirit echt besonders“, erzählt Wittmann, eine gebürtige Ingolstädterin, unserer Zeitung vor dem Vorrunden-Abschluss gegen den SV Sandhausen (Samstag, 11 Uhr).

In einem Austauschjahr in den USA trainierte sie erstmals Junioren in der Middle School – und blieb auch nach der Rückkehr nach München dabei. Beim FCI steigt sie seither permanent auf, vom Kinderfußball zur U19-Cheftrainerin, zwischenzeitlich sogar zur sportlichen Leiterin des Nachwuchsleistungszentrums.

Und irgendwann zur ersten weiblichen Cheftrainerin im deutschen Profifußball? „Ich halte nichts von Schlagzeilen“, sagt Wittmann. Ihr Ziel sei erst mal die Fußballlehrer-Lizenz, seit einiger Zeit Uefa Pro-Lizenz genannt. Bei der Lizenz sind die Plätze begrenzt, pro Lehrgang auf 16 Trainer. Nächstes Jahr soll es klappen.

Neben Wittmann arbeiten noch fünf andere Frauen beim FCI in wichtigen Funktionen im sportlichen Bereich – was nicht erwähnenswert sein sollte, es aber noch ist. „Diversität, egal ob beim Geschlecht oder beim Alter, bringt einfach einen unglaublichen hohen Mehrwert“, sagt Wittmann. Gut sei beim FCI außerdem die Verzahnung zwischen Profis und Junioren. So tauscht sich Wittmann ständig mit Profitrainer Michael Köllner aus, Ex-Coach des TSV 1860 München. „Das oberste Ziel ist es, viele Jungs in den Profibereich zu bekommen“, sagt Wittmann. Eigenen Ziele? Zweitrangig. „Ein Trainer sollte sich nie zu wichtig nehmen.“ FERDINAND SCHWARZ

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