Vorrunde als Wohlfühloase

Heuer muss mehr gehen

von Redaktion

HANNA RAIF

Wer in der Nacht zum Mittwoch die Szenen im Bankettsaal des „Kimpton Clocktower Hotels“ von Manchester beobachtet hat, durfte es selbst spüren: Wie in den letzten Jahren war die Gruppenphase der Königsklasse für den FC Bayern eine Wohlfühloase. 16 Punkte, dazu die Gewissheit, wie in jedem Jahr seit 2018 ohne Pleite durchgekommen zu sein. Darauf kann man mal stolz sein – und darauf darf man auch mal anstoßen. Mit den Bossen, den Kollegen, mit der Partnerin. Thomas Tuchel wirkte neben seiner Natalie noch gelöster als auf den Banketts von Kopenhagen und Istanbul. Nicht zu übersehen: Da mag einer die große Bühne – auch wenn er sich vor dem Alltag nicht verstecken kann.

Das 1:5 von Frankfurt war nach Abpfiff in Manchester weit weg, es wird aber bleiben – mindestens im Jahresendspurt, im Worst Case auch deutlich länger. Und trotzdem war es durchaus clever von Jan-Christian Dreesen, den Geist des 1:0 bei United zu nutzen, um die Erwartungen an die eigene Mannschaft charmant , aber öffentlichkeitswirksam zu platzieren. „Ambitionen auf den Sieg“ habe man, so rief es der CEO in den Bankettsaal. Laut aussprechen würde es niemand, aber es ist nur logisch, dass ein viertes Viertelfinal-Aus hintereinander das Selbstverständniss dieses Vereins massiv erschüttern würde. Jeder weiß: Heuer muss mehr gehen!

Schon die sogenannte Transfertaskforce hatte sich dieses Ziel im Sommer auf die Fahnen geschrieben. Klappt es nicht, steht daher (mal wieder) viel infrage. Die Bosse, die mit der Verpflichtung von Harry Kane zwar einen Coup gelandet haben, darüber hinaus aber verpassten, wichtige Kaderbausteine zu liefern. Der Trainer, der ob der fehlenden Konstanz gerne ratlos wirkt. Und vor allem die Spieler, die zweifelsohne Qualität haben, ihren eigenen Führungsansprüchen aber oft hinterherrennen.

Auch in der Champions League war nicht alles nur gut, aber der erste Haken ist nun dran – und sicher ist auch: Bei der Auslosung am Montag wird sich kein Team freuen, auf den FC Bayern zu treffen. In den vergangenen Jahren wurden Inter, Salzburg und PSG ausgeschaltet, heuer könnten es etwa Mailand, Neapel oder Eindhoven sein. Für die These, dass auch all das nur Vorgeplänkel ist, reicht wiederum ein Dreesen-Satz. Die Insel „war ’ne Reise wert“, sagte der Boss. Nur den Zusatz: „Rückkehr zum Finale in London erwünscht“ sparte er sich. Noch.

Hanna.Raif@ovb.net

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