München – Und schon wieder ist oberbayerisches Derby. Bereits zum dritten Mal in dieser Saison treffen ERC Ingolstadt und EHC Red Bull München heute (19.30 Uhr) aufeinander. Zudem ist es die Neuauflage der Finalserie von 2023, die mit 4:1 Siegen an die Münchner ging. Die beiden Partien seitdem gewann Ingolstadt 2:0 und 5:3. Beim ERCI hat einer das Sagen, der aus Amerika stammt, aber in Bayern heimisch geworden ist. Tim Regan (49) stürmte für Riessersee, Bad Tölz, Klostersee, den SCR coachte er auch. In Ingolstadt wirkt Regan seit 2018, zunächst als Assistenztrainer, 2022 wurde er General Manager.
Als Vizemeister und vorjähriger Hauptrunden-Zweiter ist der ERCI als einer der Meisterschaftsfavoriten in die Saison gegangen. Trainer Mark French hat den Titel als Ziel ausgerufen. Ist Platz acht zur Halbzeit zufriedenstellend?
Wenn wir das genau anschauen: Der Start ist nicht nach Wunsch verlaufen, aber im zweiten Quartal haben wir sehr gute Werte erzielt. Das bestätigt: Wir sind auf dem richtigen Weg.
Jedes Spiel bringt maximal drei Punkte, doch als bayerisches Team hat man viele Derby-Konstellationen. Donau-Derby mit Straubing, A9-Derby mit Nürnberg, Oberbayern-Derby mit München, Panther-Derby mit Augsburg. Welche Begegnungen sind die emotional wichtigsten?
Das Derby, das uns schon am längsten begleitet, ist das mit Augsburg. Es bringt uns große Emotionen in die Halle, sie ist meist ausverkauft. So gesehen: Augsburg ist für uns das Derby mit den stärksten Gefühlen.
Warum klappt es diese Saison gegen München so gut?
Letztes Jahr hatten wir auch sehr gute Spiele gegen den EHC, jetzt stimmen auch die Resultate. Ich denke, wir waren sehr fokussiert, taktisch gut eingestellt, hatten eine Top-Performance. Es hat alles gestimmt. Bis zur Torwartleistung.
Von 26 Spielen hat Michael Garteig 25 bestritten. Das ist ungewöhnlich, alle anderen Clubs wechseln öfter.
Michael hat viele Spiele absolviert. Unser zweiter Torhüter, Devin Williams, ist Vater geworden. Das war ein Hin und Her mit den Auswärtsspielen, wir wollten sichergehen, dass er bei seiner Familie ist, wenn das Kind kommt. In der Champions League hat er gespielt, sich aber verletzt, das hat ihn aus der Bahn geworfen. Aber er wird seine Spiele bekommen. In Köln hat er sehr gut gehalten.
Und Garteig verkraftet sein Pensum?
Er möchte eigentlich jedes Spiel spielen und wird vom Trainerteam gut kontrolliert. Er ist sehr fit.
Sie kennen einige Münchner ganz gut: Beim SC Riessersee waren Sie Trainer von Daniel Allavena, Maxi Kastner und Andi Eder und haben in der Managerrolle Toni Söderholm 2017/18 als Trainer-Neuling erlebt. Was sind Ihre Erinnerungen?
Die damals jungen Spieler, die Sie genannt haben, hatten alle eine sehr ehrgeizige Einstellung, deswegen sind sie auch früh in ihren Karrieren von Red Bull entdeckt worden. Nun zeigen sie über Jahre schon konstante Leistungen. Und Toni, den habe ich sehr detailliert, sehr kommunikativ und auf jedes Spiel vorbereitet erlebt.
War absehbar, dass aus ihm ein Trainer werden würde, der für die Nationalmannschaft und hochrangige Vereine arbeiten würde?
Die Voraussetzungen hatte er, weil er ein großartiger Spieler gewesen war und die Eishockey-Intelligenz aus seiner aktiven Zeit nahtlos in der Rolle des Trainers umgesetzt hat.
Wie werden Sie einander begrüßen?
Sehr herzlich. Wir stehen immer noch in Kontakt.
Sie haben gerade den Vertrag mit Wojciech Stachowiak, Ihrem Shootingstar im Angriff, Vizeweltmeister 2023, bis 2027 verlängert. Wie haben Sie das geschafft?
Es ist eine Beziehung entstanden, Stachowiak hat sich bei uns entwickelt, wir bekommen nun von ihm Loyalität zurück. Er glaubt an uns und daran, dass wir ihm eine weitere Entwicklung ermöglichen. Die ganze Organisation geht sehr aufmerksam mit ihm um. Er fühlt sich wohl und daheim.
Ingolstadt konnte den Zuschauerschnitt um 19,8 Prozent steigern. Was ist der Grund?
Die letzte Saison. Die Vizemeisterschaft hat den Fans Glücksgefühle beschert, wir haben einen Rekord im Dauerkartenverkauf erlebt und viele Neuanmeldungen im Nachwuchs. Die Stimmung in Ingolstadt ist absolut top.
Am Sonntag gegen Augsburg saß Fußballstar Thomas Müller mit ERCI-Schal auf der Tribüne. Wie kam es dazu?
Durch private Beziehungen von ihm. Er hat ein super Spiel gesehen, und nach solch einem Derby muss man wiederkommen.
Interview: Günter Klein