Garmisch-Partenkirchen – Als Herausforderer Ryoyu Kobayashi noch auf dem Anlaufturm der Olympiaschanze auf bessere Launen des Windes wartete, da hatte Andreas Wellinger dieses Neujahrsspringen schon fast abgehakt. Der deutsche Vorzeige-Springer (138/137,5 m) schrieb munter Autogramme. Quittierte nur mit einem Seitenblick, dass Kobayashi ihn mit 137 und 135,5 Metern neben dem slowenischen Tagessieger Anze Lanisek (136/137m) vor 21 000 Zuschauern im ausverkauften Stadion noch hauchdünn überflügelte.
Weil es für ihn auch keine wirkliche Rolle mehr spielte. In diesem Moment war längst klar, dass sich diese 72. Vierschanzentournee vor dem Umzug nach Österreich erst einmal auf ein Duell reduziert. Ryoyu Kobayashi, der Mann, der das Turnier schon gewonnen hat, gegen Andreas Wellinger, der seine Karriere so gerne mit der prestigeträchtigsten Trophäe veredeln würde. Der Deutsche nimmt dabei einen Minivorteil von einem Meter auf den Innsbrucker Bergisel mit, wo es schon am Dienstag mit der Qualifikation weitergeht.
Stefan Kraft, in Oberstdorf noch der Dritte im Bunde, wurde auf seiner Angstschanze in Partenkirchen zwar respektabler Sechster, büßte aber weitere Punkte ein. 25,2 Zähler liegt er nun schon zurück, umgerechnet 14 Meter. Bei normalem Verlauf in zwei verbleibenden Wettbewerben eigentlich zu viel. Wie der österreichische Weltcup-Spitzenreiter auch selber befand. „Das sind sicher ein paar Punkte zu viel“, sagte er, „ich kann jetzt eigentlich nur versuchen, daheim das Momentum zurückzuholen.“
Wellinger indes wollte auf den Gesamtstand offiziell gar nicht schauen. „Das ist ein extrem gutes Gefühl. Aber wichtig ist für mich, dass ich weiter gut skispringe“, befand er mit gewinnendem Lächeln. So wie ihm das nun bei allen sechs Pflichtsprüngen in der deutschen Tournee-Halbzeit gelungen war. Beim Neujahrsspringen hatte nur Lanisek die Olympiaschanze als Sieger in Qualifikation und Wettkampf noch besser im Griff.
Bundestrainer Stefan Horngacher jedenfalls schnaufte tief durch. „Das hat der Andi toll gemacht“, sagte er, auch die am Qualifikationstag noch wackelige Landung „hat er im Griff gehabt.“ Und der Tiroler rieb sich vor dem Umzug in seine österreichische Heimat die Hände. „Ich denke, dass es jetzt bis zum Schluss ein enges Duell bleiben wird.“
Von dem Wellingers Kollege Karl Geiger nun doch ziemlich weit entfernt ist. Rund 54 Punkte liegt der Oberstdorfer nach Platz 16 schon im Hintertreffen. 30 Meter Rückstand – für ihn kann es in Österreich nut noch um Formsuche gehen. „Ich bin nicht da, wo ich gerne wäre“, sagte Geiger, „aber das kann im Skispringen manchmal schnell gehen.“
Pius Paschke, der mit seinem Sieg ín Engelberg zeitweilig in den Kreis der Mitfavoriten aufgestiegen war, durfte sich immerhin über eine gute Tendenz freuen. Starke 135,5 Meter im Finale bugsierten ihn im beim Neujahrsspringen auf Platz zehn. Und er blickte mit einem Lächeln nach Österreich: „Wenn ich mit der Ruhe weitermache, dann kann das noch eine richtig gute Tournee für mich werden.“
Eine Tournee, die auch für Philipp Raimund (14.) und Stephan Leyhe (13.) weitergehen wird. Beide zeigten in Partenkirchen zumindest einen starken Durchgang und wurden dafür vom Bundestrainer mit Startplätzen für die zweite Tourneehälfte belohnt.