Am Ende hat Andreas Wellinger den Druck also auch in Partenkirchen einfach von seinen Schultern geschüttelt. Der beste deutsche Skispringer flog mit einer Selbstverständlichkeit über die Olympiaschanze, mit dem viel beschworenen „Flow“, den das sensible Schanzengeschäft nur den Allerbesten zugesteht. Und so ist er nun also als Gesamt-Führender voll im Geschäft, wenn die Tournee am Dienstag über die Grenze nach Österreich zieht. Die Hoffnung lebt, dass am kommenden Samstag in Bischofshofen mal wieder ein Deutscher den goldenen Adler der Vierschanzentournee herzen darf.
Zumindest darauf hatte man ja im Vorfeld hoffen dürfen. Zehn Podestplätze hatten die deutschen Springer im Weltcup auf dem Weg zum ersten großen Saisonhighlight eingesammelt. Mehr als jemals zuvor. Gleich drei Asse reisten als scheinbar heiße Favoriten nach Oberstdorf an. Doch dieser vermeintliche Vorzug – und das ist das große Minus am Ende der ersten Tournee-Halbzeit – ist den Assen des Deutschen Skiverbandes spätestens am Neujahrstag endgültig abhanden gekommen. Während sich Größen wie vor allem der Japaner Ryoyu Kobayashi pünktlich zu den Auftritten im schwarz-rot-goldenen Fähnchenmeer zurückmeldete, verloren Pius Paschke und Karl Geiger die Leichtigkeit von Klingenthal und Engelberg. Die beiden reihten sich ein in eine zwar starke, aber eben nicht mehr alles beherrschende Mannschaft, die sich die Weltcup-Fleischtöpfe in der Frühphase der Saison nur mit Tournee-Co-Gastgeber Österreich teilen musste.
Da wird es vor allem für Geiger auch ein schwacher Trost sein, dass es anderen weit schlimmer erging. Die in den letzten Jahren bei der Tournee so dominanten Polen und auch die Norweger, die gerade Partenkirchen eigentlich stets zu ihrer Lieblingsanlage des Turniers erklärt hatten, stürzten auf den deutschen Schanzen (fast) kollektiv ab.. Der Anspruch des Oberstdorfers ist ein anderer als etwa der überschaubare 16. Platz am Neujahrstag.
Aber das ist allemal verkraftbar, solange wenigstens mal wieder ein Teamkollege mit großen Ambitionen nach Österreich reisen darf. So wie Wellinger eben, der als Nummer eins am Bergisel in Innsbruck antritt. Das gab es für die Deutschen seit Sven Hannawald 2001 nicht mehr. Wie es damals ausging, ist hinlänglich bekannt.
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