„Die Leute sollten sich mal zügeln“

von Redaktion

EHC München kritisiert mangelnde Demut bei seiner Anhängerschaft

VON GÜNTER KLEIN

München – Toni Söderholm verrichtete am Sonntag seinen Job an der Bande, doch damit ließ er es gut sein. Keine Statements, keine Pressekonferenz, nur schnell wieder nach Hause. Hinter dem Trainer des EHC Red Bull München lagen zwei Fiebertage, „bis zum Mittag“, sagte der Managing Director Sports, Christian Winkler, „war offen, ob er überhaupt an der Bande stehen könnte. Er war richtig krank“. Da Assistent Pekka Kangasalusta am Samstag einen Trainingsunfall hatte, drohte man, „wenn Toni nicht aus dem Bett gekommen wäre, auf der Trainerposition dünn zu werden“, führte Winkler aus, „wir hätten mit einem Trainer agieren müssen, und das ist nicht unser Standard“.

Die Besetzung, die dann beim 4:2-Sieg über Bremerhaven coachte: Söderholm, der sich aufraffte, Pierre Allard, der unversehrte Assistent – und überraschend Altmeister Don Jackson (67). Winkler: „Wir sind froh, dass Don sich bereit erklärt hat, einzuspringen. Das zeigt, wie eng unsere Familie ist.“

Aus Sicht der Beteiligten war Don Jacksons Mitwirkung keine große Sache. Er gehört nach wie vor der Organisation an, fungiert als eine Art Supervisor für alle Eishockey-Trainer im Red-Bull-Kosmos. „In seiner neuen Rolle ist er Gold wert“, erläutert Winkler, „Don arbeitet mit den Trainern in der Akademie, mit Oliver David in Salzburg und mit Toni in München.“ EHC-Verteidiger Konrad Abeltshauser: „Der Don ist eh immer da, es ist nicht so, dass wir ihn das erste Mal in dieser Saison gesehen hätten.“

Die Außensicht ist freilich eine etwas andere. Unter Söderholm steht der EHC nicht so gut da, wie es in den neun Jackson-Jahren überwiegend der Fall war. Zwischen den Spielern und Söderholm scheint die Beziehung nicht so harmonisch zu sein, wie sie es in der Ära des väterlichen Jackson war. Deutet sich beim EHC auf der letzten Etappe der DEL-Hauptrunde also eine stille Umstrukturierung an?

Christian Winkler ist sich darüber im Klaren: „Mutmaßungen wird es immer geben.“ Und dann hat er etwas Grundsätzliches zu sagen: „Wenn Toni außerhalb in der Kritik steht, mag das sein. Aber die Leute sollten sich mal zügeln. Man sollte bescheidener und demütiger sein. Der vierte Platz ist nicht unser Anspruch, vielleicht ist man verwöhnt. Doch ich halte es für fast unanständig, den Trainer Woche für Woche infrage zu stellen.“ Von ihm und intern habe Söderholm „absolute Rückendeckung“, und man solle doch bedenken: „Toni hat viel Gutes bewirkt. Die Entwicklung der jungen Spieler ist seine Handschrift.“ Aktuelles Beispiel aus dem Bremerhaven-Match sei das vierte Tor: Veit Oswald (19) nach einem Traumpass von Nikolaus Heigl (20).

„Wie geht’s weiter?“ Winkler greift die Frage auf: „Das kommt auf Pekka an.“ Co-Trainer Kangasalusta ist am Samstag „mit dem Kopf in de Bande gestürzt“. Konrad Abeltshauser: „Er hat das Training noch zu Ende gebracht, aber ihm ging’s nicht gut.“ Im Krankenhaus wurde beim Finnen eine Gehirnerschütterung diagnostiziert. Christian Winkler: Die Planung war, „dass Don nächste Woche nach Nordamerika fliegt und in der American Hockey League scoutet. Vielleicht wird er den einen oder anderen Tag später reisen.“

Das ist das andere große Thema des EHC: „Wir wollen die Mannschaft noch verstärken“, so Christian Winkler. Bis 15. Februar kann aus dem Ausland verpflichtet werden. Gesucht wird ein Verteidiger. „Der Markt ist trocken“, sagt Winkler. Aber man hat ja Don Jackson – und seine Beziehungen.

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