München – Als Spieler zählte Miroslav Klose (45) zu den Größten. Auch als Trainer will die Stürmer-Legende so richtig durchstarten. Bis Ende März 2023 coachte Klose den österreichischen Bundesligisten Altach. Welche Ambitionen der ehemalige Bayern-Star hat, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung.
Herr Klose, wann sehen wir Sie wieder auf der Trainerbank?
Wenn es nach mir geht, so schnell wie möglich. Es heißt, wenn man lange zu Hause sitzt, fällt einem die Decke auf den Kopf. Bei mir ist sie schon längst draufgefallen . . . (lacht) Ich möchte so schnell wie möglich eine neue Aufgabe annehmen. Aber es muss halt passen.
Sie sind ein sehr reflektierter Mensch, haben Ihre Lehren aus Ihrer Zeit Ihrer letzten Trainerstation in Altach in einer Art Tagebuch niedergeschrieben. Wie kann man sich das vorstellen?
Es gibt dabei eine grüne und eine rote Liste. Sprich: Was war gut? Und und was war weniger gut? Ein Beispiel: Bei der Vergabe der Kapitänsbinde hätte ich mir in Altach mehr Zeit nehmen sollen. Ich höre mir gerne auch die Meinung der Menschen, die schon länger im Verein sind, an und nehme sie mit ins Boot. So habe ich das auch in Altach gemacht. Aber die Kapitäns-Entscheidung habe ich vielleicht zu früh getroffen.
Muss Ihre nächste Aufgabe ein Erstligist sein?
Nein. Ich habe in den vergangenen Monaten viele Spiele gesehen, mich dabei vor allem auf die 2. Bundesliga fokussiert. Aber ich habe auch keine Angst vor der Ersten Liga. Das Ausland, wo ich ebenfalls bereits Gespräche geführt habe, kommt für mich ebenso in Frage.
Viele Kollegen hospitieren in Berufspausen bei anderen Toptrainern. Wie haben Sie sich neben Ihrer Tätigkeit als TV-Experte bei Amazon Prime Video weitergebildet?
Ich habe mir viele Spiele live angesehen und mir dafür einen Plan erstellt. Ich habe mir gesagt, ich lasse mal fünf bis sechs Partien in der 2. Liga ins Land gehen und dann schaue ich, wer ein bisschen weiter hinten in der Tabelle liegt. Braunschweig, Rostock und auch meinen Ex-Club Kaiserslautern habe ich intensiver verfolgt: Wie spielen sie? Was könnte man mit dem vorhandenen Kader besser machen? Ich habe meine Berichte darüber geschrieben. Es ging mir auch darum, dass ich – sofern es mal dazu kommen sollte, dass diese Vereine sich von einem Trainer trennen – recht weit bin und auf Anhieb meine Pläne dort präsentieren kann.
Dazu soll es in Kaiserslautern auch gekommen sein.
Leider hat es nicht mit einer Rückkehr funktioniert. Dimitrios Grammozis hat das Rennen gemacht. Ich wünsche ihm nur das Allerbeste. Ich habe mir nichts vorzuwerfen, weil ich es meiner Meinung nach sehr intensiv und gut gemacht habe.
Wie vertreiben Sie sich noch die Zeit?
Ich habe mir auch internationale Spiele angeschaut, viele aus der ersten und zweiten italienischen Liga. Zudem beschäftige ich mich regelmäßig mit Wyscout. Das ist ein Portal für Scouting, Spielanalyse und Transferdynamik. Es gibt Statistiken und Match-Reports. Man kann sich auch einzelne Spieler näher anschauen. Mich interessiert es ebenfalls sehr, wie es bei meinen ehemaligen Schützlingen läuft. Ich habe auch meine Sprachkenntnisse in Polnisch, Italienisch und Englisch aufgefrischt.
Einige Trainer lassen sich auch von ihren Kollegen anderer Sportarten oder von erfolgreichen Unternehmern inspirieren.
Meine Mutter hat ja 82 Länderspiele für Polen gemacht, Handball begleitet mich also schon mein gesamtes Leben. Die Robustheit der Spieler und Flexibilität im Umschaltspiel fasziniert mich. Es geht im Handball ganz schnell hin und her, man muss im Kopf auf Zack sein. Denn wenn man sich vorne zu lange über ein Tor freut, kann es sein, dass man hinten gleich wieder eines kassiert. Es beeindruckt mich auch, wie gewandt Handballer aufs Tor werfen. Natürlich habe ich bisher auch alle Spiele der deutschen Handballer bei der EM gesehen.
Wann war Ihnen klar, dass Sie Trainer werden wollen?
Matthias Sammer hat mich ein bisschen drauf gestupst. Wir kennen uns auch privat sehr gut, ich schätze ihn wirklich sehr. Kurz vor der WM 2014 hatten wir ein interessantes Gespräch. Er hat mich gefragt, ob ich mir schon überlegt hätte, was ich nach der Karriere gerne machen würde. Ich konnte es nicht sofort sagen. Die drei bis neun Monate danach habe ich genutzt, um ein Gefühl zu entwickeln, wohin meine Reise geht. Will ich Sportdirektor oder Scout werden? Oder doch lieber den Rasen riechen und draufstehen? Ich habe gemerkt: Mir taugt es richtig, wenn ich selbst auf dem Platz stehe und mein Wissen vermittle. Dieses Gefühl hat mich fasziniert. Ich habe schnell gemerkt: Trainer sein, das bin ich! Ich habe meine Trainerscheine gemacht und zwischendrin auch Mannschaften gecoacht. Dann hatte ich ein richtig gutes Paket beisammen. Anschließend habe ich mich noch mal mit Matthias ausgetauscht und ihm klar sagen können: Es wird die Trainerrichtung.
Haben Sie eine Karriereplan?
Nein. Natürlich habe ich gesagt, dass ich mal Bundesliga-Trainer sein möchte. Und ich weiß auch, dass das irgendwann der Fall sein wird. Ich weiß nicht, wann genau. Aber der Moment wird kommen. Die Schritte davor sind für mich allerdings auch unheimlich wichtig. Man lernt viele Spieler kennen. Ich habe auch gemerkt, wie wichtig ein eingespielter Staff ist. Unter Hansi Flick habe ich beim FC Bayern unglaublich gerne als Co-Trainer gearbeitet. Jeder im Trainerteam hatte gewisse Freiheiten, wusste aber genau, was zu tun ist. Das hat richtig Spaß gemacht.
Können Sie sich vorstellen, noch mal als Co-Trainer zu arbeiten?
Wie gesagt, unter Hansi war das unglaublich. Wir hatten so eine Harmonie, wir waren so ein eingespieltes Team. Die Gespräche, die wir geführt haben, waren super. Das Ergebnis davon hat man anhand der vielen Titel, wie den Champions-League-Sieg, gesehen. Das hat mich fasziniert. Unter solchen Voraussetzungen würde ich vielleicht noch mal Co-Trainer werden. Aber eigentlich ist zu 99 Prozent für mich klar, dass ich Chefcoach und die Nummer eins sein möchte. Mir gefällt es, selbst vorne zu stehen und Entscheidungen zu treffen.
Interview: Philipp Kessler