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von Redaktion

„Schlag ins Gesicht“: Nach Bremen-Pleite muss Bayern am Mittwoch siegen

VON HANNA RAIF, VINZENT TSCHIRPKE UND PHILIPP KESSLER

München – Den letzten drei Betriebsunfällen des FC Bayern folgten jeweils – Gott sei Dank! – andere Wettbewerbe. Das 0:3 im Supercup gegen Leipzig wurde mit einem Sieg zum Bundesliga-Start gegen Bremen relativiert, das Pokal-Aus in Saarbrücken mit der richtigen Antwort beim 4:0 im Liga-Topspiel gegen den BVB und das 1:5 in Frankfurt im November mit einem Sieg bei Manchester United in der Champions League. Ein neue Aufgabe, ein anderer Fokus, das hilft ja gerne, um sich abzulenken, den Blick nach vorne zu richten. Diesen Luxus allerdings haben die Bayern nach dem schmerzhaften 0:1 gegen Bremen am Sonntag nicht. 75 Stunden vergehen zwischen Abpfiff der Blamage und Anpfiff der nächsten Bundesliga-Partie. Und jedem ist bewusst, was passiert, wenn dieses Nachholspiel am Mittwoch gegen Union Berlin nicht gewonnen wird.

Jan-Christian Dreesen formulierte es trotz aktuell sieben Punkten Rückstand auf Tabellenführer Bayer Leverkusen in seinem Wort zum Sonntag etwas wohlwollender. „Gegen Union kann die Mannschaft zeigen, dass sie aus der Niederlage etwas gezogen hat und sich entsprechend wehrt“, sagte der CEO nach der ersten Pleite des Jahres 2024. Er verpasste es aber nicht auf das bis dahin bestehende „Gesprächspotenzial“ hinzuweisen, von dem es „eine Menge“ gebe. Die akuten Fragen, die dieser über 70 Minuten blutleere Auftritt gegen den Abstiegskandidaten von der Weser aufwarf, liegen auf der Hand. Warum war Bremen „griffiger und giftiger“ (Joshua Kimmich)? Warum macht man schwache Gegner „selber stark“ (Dreesen)? Warum hat man „im Training so viel mehr Freude und Energie auf dem Platz“ (Thomas Müller)? Warum kam „das Aufwachen zu spät“ (Manuel Neuer)? Warum hat man nicht das Gefühl, „dass wir wissen, um was es geht“ (nochmal Kimmich)? Müller fasste den Arbeitstag passend als „Schlag ins Gesicht“ zusammen, von dem es sich nun im Schnelldurchlauf zu erholen gilt. Dreesen gab als Parole gleich die Worte „neu anfangen“ aus. Alles auf null, abputzen, weitermachen. Nur: Wie?

Gestern war erst mal Auslaufen angesagt, die erste echte Einheit „danach“ ist auch gleichzeitig die einzige „davor“ – und Union kommt nach der Spielabsage vom Freitag ausgeruht nach München. Normalerweise ist die Partie gegen den Tabellen-15. ein Pflichtsieg. Weil man aber das Gefühl hat, dass die Bayern aktuell nicht mal aus sich selbst schlau werden, wird das Nachholspiel aus dem Dezember zu einer kleinen Schicksalspartie. Kapitän Manuel Neuer forderte: „Wir müssen von Anfang an da sein und ein anderes Gesicht zeigen.“ Das, das man aus dem Training kennt, wie alle Beteiligten vehement beteuerten. Nur Tuchel sagte konsterniert: „Ich habe keine Lust mehr, dass ich sage, dass wir gut trainieren. Das glaubt ja langsam keiner mehr.“

Nicht sonderlich gut gelaunt war der Coach nach Abpfiff – verständlich! Denn auch wenn er selbst beteuerte, dass Gedankenspiele in Richtung Meisterschaft „viel zu früh“ seien, weiß er um die Alarmglocken im Hintergrund. Die Hoffnung des 50-Jährigen: „dass wir ins Handeln kommen!“ Auch Konrad Laimer stellte klar: „Es bringt nichts, wenn wir nur rumreden.“ Neuer sagte treffend: „Wir sind jetzt der Jäger – das muss in die Köpfe rein.“ Kimmich ergänzte: „Wir dürfen uns keinen Patzer mehr erlauben.“ Leverkusen schaut am Mittwoch ganz entspannt zu. Kann ja nichts passieren.

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