Sorgenkind Doll

von Redaktion

Biathleten mit Rückwind zur WM – mit einer Ausnahme

Antholz/Frankfurt – 13 Einzelpodeste, siebenmal auf dem Treppchen in den Staffeln – und gar fünf Saisonsiege: Mit einer derart positiven Bilanz haben sich die deutschen Biathleten schon lange nicht mehr in die unmittelbare WM-Vorbereitung verabschiedet. Trotz Leistungsschwankungen ist das Selbstvertrauen gewachsen, auch nach der wechselhaften Generalprobe in Antholz bleiben die Medaillen für den Jahreshöhepunkt fest im Blick.

„Wir kommen mit wirklich viel Rückenwind, sind als Team gewachsen“, sagte Sportdirektor Felix Bitterling. Nach zwei Dritteln der Saison hat sein Team schon mehr Podestplätze und Siege erreicht als im gesamten Vorwinter. Die Gefühlslage sei deshalb „absolut positiv. Ein paar Hausaufgaben haben wir noch. Daran werden wir arbeiten – und dann greifen wir in Nove Mesto an“, erklärte Bitterling. Erstmal bekommen die Skijäger ein paar Tage zur Erholung in der Heimat, Ende Januar versammelt sich ein Großteil zum finalen Trainingslehrgang in Ridnaun.

Ausgerechnet der zweimalige Saisonsieger Benedikt Doll hat sich allerdings seit seinem Triumph von Oberhof etwas zum Sorgenkind entwickelt. In den letzten fünf Einzelrennen unterliefen ihm 22 Schießfehler, dazu kamen in zwei Staffeln Strafrunden. „Der Blick richtet sich nach vorne! Regenerieren, neu aufbauen und dann greifen wir zur WM an“, schrieb der 33-Jährige kämpferisch bei Instagram. Das Gewehr komme „ein paar Tage in die Ecke“.

Die deutsche Mannschaft wird ihren Anführer für eine erfolgreiche WM in Topform brauchen, auch der Schwarzwälder selbst will bei seinem wahrscheinlich letzten Großereignis voll abliefern. „Benni ist schon durch viele Tiefs und Hochs gegangen. Da wird er auch diesmal wieder gestärkt durchgehen“, sagte Bitterling. Doll werde in der Vorbereitung „ein spezielles Programm“ absolvieren.

Auch im Frauen-Team gibt es kleine Fragezeichen, weil zuletzt ein Magen-Darm-Infekt durch die Mannschaft ging. Unter anderem musste die seit Jahren oft von Verletzungen und Krankheiten zurückgeworfene Franziska Preuß eine Pause einlegen, die zweieinhalb Wochen bis Nove Mesto sollten aber zur vollständigen Regeneration reichen. Drei Podestplätze holte die 29-Jährige in diesem Winter schon, kam bei allen elf Starts unter die Top Ten.

Vanessa Voigt wird etwas andere Wege als der Rest des Teams beschreiten. „Ich bereite mich gut vor für mich allein, mein Training muss für mich passen“, sagte die 26-Jährige in der ARD. Die Formkurve zeigte nach der Delle zum Jahresstart bei der Generalprobe wieder steil nach oben. In den Einzelrennen zweimal Platz vier, dazu kam der erlösende erste Sieg im Single Mixed. In Südtirol traf sie 60 von 60 Schuss, nur im Laufen fehlte noch ein Tick zur Weltspitze.  sid

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