München – Die Personalsorgen des FC Bayern werden immer größer. Vor allem in der ohnehin schon dünn bestückten Abwehr des deutschen Fußball-Rekordmeisters. „Wir haben jetzt wieder Probleme auf diesen Positionen – es ist wie verhext!“, klagte Trainer Thomas Tuchel (50) am Mittwochabend nach dem Spiel gegen Union Berlin.
Beim 1:0 zog sich Konrad Laimer (26) einen Muskelfaserriss in der rechten Wade inklusive Sehnenbeteiligung zu. Damit fehlt der Österreicher knapp zwei Monate. Das ergaben genauere Untersuchungen am Donnerstag. Seit seinem ablösefreien Wechsel im Sommer von RB Leipzig zu den Bayern half der Mittelfeldspieler hauptsächlich als Rechtsverteidiger aus. Dort muss Tuchel derzeit zudem auf Bouna Sarr (31/Kreuzbandriss) und Noussair Mazraoui (26) verzichten, der nach überstandener Verletzung für Marokko beim Afrika-Cup im Einsatz ist.
Als logischer Rechtsverteidiger-Ersatz käme Sechser Joshua Kimmich (28) infrage. Problem: Er fiel gegen die Berliner auf die linke Schulter und fehlt nun gegen Augsburg am Samstag. Nach Informationen unserer Zeitung konnte er am Tag nach dem Spiel seine Schulter nicht vollständig heben.
Auch Dayot Upamecano (25) fällt rund drei Wochen aus. Die Diagnose, nachdem sich der Innenverteidiger bei einem Sprint in der 43. Minute verletzt hatte: Muskelfaserriss im linken hinteren Oberschenkel. „Das ist extrem bitter für Upa, aber für uns auch. Er ist in der derzeitigen Form fast unersetzbar“, sagte Tuchel bereits am Mittwoch nach dem Nachholspiel. „Er war mit seinem Siegeswillen, seinem Ehrgeiz herausragend gut zuletzt und auf einem sehr guten Weg. Deshalb tut uns das allen sehr weh.“
Minjae Kim (27) steht den Bayern momentan bekanntlich ebenfalls nicht zur Verfügung. Der Abwehr-Star erreichte mit der südkoreanischen Nationalmannschaft gestern das Achtelfinale beim Asien Cup in Katar. Damit hat Tuchel neben Matthijs de Ligt (25) nur noch Neuzugang Eric Dier (30) als gelernten Innenverteidiger zur Auswahl. Die Leihe im Winter des Tottenham-Routiniers habe sich deshalb schon jetzt bezahlt gemacht.
„Das war so ein bisschen für ihn der Sprung ins kalte Wasser, weil Eric jetzt ein halbes Jahr nicht so viel Fußball gespielt hat“, sagte Tuchel nach Diers erstem Einsatz im Bayern-Trikot gegen Union. Man habe auf Anhieb aber seine Präsenz, sein Selbstvertrauen und seine Erfahrung gespürt.
Trotz des neuen Abwehr-Alarms werde Bayern seine Transferpläne für diesen Winter aber nicht anpassen. „Wir werden auf keinen Fall in Panik geraten, auch Verletzungen gehören in der Saison dazu. Wir sind nicht vom Glück verfolgt“, erklärte Tuchel. „Wir werden unsere Strategie nicht über den Haufen werfen.“ Gesucht wird weiterhin ein neuer Rechtsverteidiger. Ein Wechsel von Kieran Trippier (33) von Newcastle United zum FC Bayern ist allerdings vom Tisch. Das Thema „sei erledigt“, sagte Sportdirektor Christoph Freund (46). Eine Verpflichtung von Nordi Mukiele (26) von Paris Saint-Germain ist weiterhin Thema. Freund stellte aber klar: „Wir machen nur etwas, wovon wir hundertprozentig überzeugt sind.“