Was berechtigt einen Trainer dazu, einem Spieler der gegnerischen Mannschaft zweimal mit der Hand ins Gesicht zu wischen? Gar nichts! Union-Coach Nenad Bjelica hat es nach einem kurzen Scharmützel mit Bayern-Star Leroy Sané trotzdem getan und den Zorn von ganz Fußball-Deutschland auf sich gezogen. Die Rufe nach einem Rauswurf des Kroaten sind mittlerweile so laut, dass sie für die Berliner nicht zu überhören sind. Die Verantwortlichen um Präsident Zingler und Manager Oliver Ruhnert legen gerne bei anderen den Finger in die Wunde, doch nun sind sie in einer äußerst pikanten Situation selbst gefordert. Alles andere als eine Freistellung von Bjelica würde den sympathischen und coolen Club aus Köpenick – so zumindest die Eigenwahrnehmung in der Hauptstadt – unglaubwürdig erscheinen lassen.
Dafür war das Verhalten des kroatischen Fußballlehrers schlichtweg zu asozial – vor allem nach Abpfiff. Statt sich vor die Kameras und Mikrofone zu stellen, um sich bei Sané zu entschuldigen, manövrierte sich Bjelica mit seinen Äußerungen immer mehr ins Abseits. Beispiele gefällig? „Ich bin in meiner Zone, will ihm den Ball geben. Er hat mich geschubst. Dann habe ich natürlich reagiert.“ Eine Lüge, wie die Fernsehbilder klar beweisen. Sané forderte den Ball, Bjelica warf ihn hinter seinem Rücken weg und griff dem Münchner ohne Vorwarnung zweimal (!) ins Gesicht.
Für noch mehr Fassungslosigkeit sorgte nur Bjelicas Antwort auf die Frage, ob er sich dringender bei seiner Mannschaft entschuldigen müsse – oder bei Sané. „Nur bei meiner Mannschaft“, sagte er: „Es ist nicht zu tolerieren. Bei Sané nicht. Er kommt auf mich zu, um mich zu provozieren.“ Man will gar nicht wissen, wie Bjelica reagiert, wenn er wirklich provoziert wird . . .
Es wäre interessant gewesen zu erfahren, wie die meinungsstarken Zingler und Ruhnert über die Szene denken. Doch das Unioner Führungsduo verpasste sich kurzerhand einen Maulkorb. Führungsstärke in Krisenzeiten sieht anders aus. Nun liegt der Ball beim DFB-Sportgericht – und das hat den Kroaten für drei Spiele gesperrt und zu einer Strafe von 25 000 Euro verdonnert. Wenn die Berliner konsequent handeln, gehen sie den nächsten Schritt, indem sie ihren Trainer rauswerfen – und dadurch Größe beweisen. Anders als Bjelica.
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