München – Nun schwimmen den Basketballern des FC Bayern die Felle in Europa also doch langsam aber sicher davon. Ausgerechnet gegen ASVEL Villeurbanne – bislang so etwas wie das Chaos-Team der Saison – mussten die Schützlinge von Trainer Pablo Laso vor eigenem Publikum eine schmerzhafte 64:76 (29:40)-Niederlage einstecken. Womit die, ohnehin überschaubaren Chancen auf die Playins weiter dahinschwinden.
Und die Bayern ließen von Beginn an alles vermissen, was sie zuletzt so stark gemacht hatte. In der Defensive? Ließ man die dynamischen Franzosen, in deren Reihen in Deshaun Thomas inzwischen ein Ex-Bayer Dienst tut, einfach mal machen. Klar war es nicht hilfreich, dass Abwehr-Anker Serge Ibaka wegen „leichter Knieprobleme“ gar nicht erst mitmachte und dann früh auch noch Stammcenter Devin Booker mit lädiertem Fuß in die Kabine bugsiert wurde. Aber es war schon ein bisschen zu simple, wie sich das Euroleague-Schlusslicht aus Lyon seine Körbe einsammelte. Ob über Forward Edwin Jackson oder Yousoupha Fall, der seine 2,21 Meter wenig überraschend auch seit dem dramatischen Hinspiel in Frankreich nicht verloren hatte. Fall brauchte den Ball meist nur gemütlich im Korb abzulegen.
Und nach vorne? Wirkten die Bayern nicht weniger führungs- und ideenlos. Carsen Edwards etwa blieb seinen Auftritten der letzten Wochen treu. In den Anfangsminuten schien der US-Guard heißzulaufen – um dann doch direkt für längere Zeit aus dem Spiel zu kippen. Alleine: Die anderen Bayern machten es nicht besser. Selbst Vladimir Lucic ließ sich den Ball von Gäste-Spielmacher Paris Lee (19 Punkte) aus der Hand stibitzen. Was in Richtung Korb ging, das war oft durchsichtig und versandete in der wahrlich nicht undurchdringlichen Defensive der Franzosen, die in Pierric Poupet nicht umsonst bereits den dritten Trainer der Saison an der Linie haben. Ein 29:40 stand zur Pause auf der Anzeigetafel.
„Die zweite Halbzeit kann nur besser werden“, krähte Hallensprecher Thomas Killian da ins Mikrophon. Wurde sie ja auch, wenn auch auf überschaubarem Niveau. Und es war tatsächlich Carsen Edwards, der zumindest ein bisschen Hoffnung in den schwer konsternierten BMW Park zurückbrachte. Der 26-Jährige lieferte sich erst einen spektakulären Zusammenstoß unter dem Korb mit Jackson. Dann hauchte er mit satten 12 Punkten binnen weniger Minuten den 6046 Fans und seinem Bayern-Team noch einmal Leben ein.
Da zeigten die Münchner plötzlich die Energie und den Drang zum Korb. Und spätestens als Sylvain Francisco den Rückstand sechs Minuten vor dem Ende auf fünf Punkte reduzierte, da war auch der Glaube zurück. Doch an diesem verkorksten Abend sollte es trotz teilweise bester Chancen nicht reichen. Die über weite Strecken viel zu fahrigen Münchner konnten die Dinge nicht mehr wenden. PATRICK REICHELT