Mit der Magie von Köln

von Redaktion

Vor dem EM-Halbfinale beschwören die deutschen Handballer die Macht der Arena

Köln – Vor dem Duell mit den übermächtigen Dänen baten Deutschlands Handballer um göttlichen Beistand. „Vielleicht gibt es ja jemanden da oben, der am Freitag ganz besonders auf uns aufpasst“, sagte Linksaußen Rune Dahmke und blickte am Donnerstag flehend an die Betondecke der Kölner Arena-Katakomben. Als der Nationalspieler nach seinem kurzen Abstecher in eine andere Sphäre wieder bei sich war, ergänzte er hoffnungsvoll: „Wenn du irgendwo eine Chance auf ein Wunder hast, dann in Köln.“

Die Rollen vor dem deutschen EM-Halbfinale gegen das skandinavische Topteam an diesem Freitag (20.30 Uhr/ZDF und Dyn) sind klar verteilt. Dänemark ist Olympia-Zweiter, Weltmeister, EM-Dritter und absoluter Topfavorit auf den Titel. Die deutsche Mannschaft wirkt dagegen vergleichsweise unerfahren und weist vor allem in der Breite weniger individuelle Qualität auf.

Und doch: Die deutschen Spieler glauben an sich und ihre Chance. „Es ist das Geilste auf der Welt, ein Halbfinale vor unseren Fans spielen zu dürfen“, sagte Spielmacher Juri Knorr und forderte maximalen Einsatz: „Wir brauchen einen besonderen Tag, viele handballerische Zutaten sowie Mut und Mentalität.“

Ähnlich bewertete Dahmke die Ausgangslage. „Dass wir gegen die beste Mannschaft der Welt sagen können Wir werfen alles rein und gucken mal, was dabei herauskommt, ist eine unvergleichliche Situation“, befand der Routinier.

Klar ist auch: Man braucht die Magie der Arena. Knorr startete daher einen flehenden Appell an die rund 20 000 Zuschauer, die die ausverkaufte Arena in einen Hexenkessel verwandeln sollen. „Die Fans sind ein riesiger Faktor. Es war bisher gigantisch, aber wir brauchen noch mehr. Wir brauchen das Doppelte“ forderte Deutschlands Spielmacher.

Auf Bundestrainer Alfred Gislason wartet vor dem Anpfiff eine Mammutaufgabe. Wie bereitet man seine Spieler auf eine Mannschaft vor, die eigentlich keine Schwächen hat? „Ich wünschte, sie hätten Schwächen. Ich bin froh, dass ich nicht Trainer bin und die Jungs auf die Dänen einstellen muss“, sagte Torhüter Andreas Wolff. Jungstar Nils Lichtlein indes glaubt: „Eins aus zehn Spielen gewinnen wir. Wann dieses Spiel ist, weiß keiner.“

Egal ob im Tor, in der Abwehr oder im Angriff – das DHB-Team braucht auf allen Positionen die Maximalleistung. „Wer jetzt nicht bereit ist, der ist hier falsch“, sagte Golla, der auch auf den Input der EM-Sieger von 2016 hofft. Wolff, Dahmke, Jannik Kohlbacher und Kai Häfner waren schon beim Gold-Rausch in Polen dabei. „Wenn du ins Halbfinale gehst, ist das Turnier nicht abgeschlossen“, sagte Golla. „Wir wollen den Traum hier vergolden.“  dpa

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