Wer ist Aleksander Ceferin? So richtig weiß man das auch nach knapp acht Jahren nicht. Er kam quasi aus dem Nichts auf den Stuhl des UEFA-Präsidenten, weil 2015/16 im internationalen Fußball die Domino Days stattfanden wie früher im Abendprogramm von RTL. Ein Stein ließ den anderen purzeln: Sepp Blatter bei der FIFA, in der Folge seinen Gegenspieler und gleichermaßen Ziehsohn Michel Platini in Europas Dachverband, und auf einmal war die UEFA-Losfee Gianni Infantino Chef vom Ganzen und Ceferin, der unbekannte Rechtsanwalt aus Slowenien, Präsident von Fußball-Europa. Kann man sich an irgendeine große Rede von ihm erinnern, an einen markanten Auftritt? Es hieß zuletzt, der neue Trainer des FC Augsburg, Jess Thorup, würde Ceferin sehr ähnlich sehen. Aber vom sonnigen Dänen Thorup, erst seit Oktober in der Bundesliga, hat man ein klareres Bild als vom höchsten Amtsträger in Europas Fußball.
Aus seiner Unscheinbarkeit ist Ceferin nur zweimal ausgebrochen – und in der ersten Situation lag das nicht an ihm, sondern an der Gegnerschaft. Auf den Überraschungsangriff des Projekts Super League hin musste er sich qua Amt als Bewahrer der Tradition geben. Verstörend wirkte indes, dass er – eigentlich im Stil Gianni Infantinos – sich juristisch in eine dritte Amtszeit trickste. Die große Empörung darf nun aber wieder weichen, da er nach seiner Wahl versprach, den zeitlichen Rahmen nicht auszureizen, sondern in drei Jahren abzutreten.
Nein, Ceferin ist kein Euro-Infantino. Er inszeniert sich nicht wie ein Staatsoberhaupt, und der Vorteil daraus, dass er seine öffentlichen Auftritte dosiert, ist, dass ihm keine Skurrilitäten wie Infantinos Katar-PR-Reden unterlaufen. Ceferin ist dem Kommerz nicht abhold, doch anders als Infantino scheint er dem ärgsten Auswuchs widerstehen zu können.
Ein Unterschied ist auch: Infantino orchestriert Angriffe, er forciert aggressiv neue Wettbewerbe – Ceferin ist in die Rolle des Verteidigers gedrängt worden, in die Mangel genommen von FIFA und den eigenen Großclubs, er muss, um die Super League abzuwehren, eine krude Reform der Champions League propagieren. Man kann verstehen, wenn er müde ist. Europas Fußball erlebt schwere Zeiten, und es ist völlig offen, wie Ceferins Schlussbilanz ausfallen wird. Bisher gibt es jedenfalls keine Erfolge, die seine lange Amtszeit rechtfertigen.
Guenter.Klein@ovb.net