München – Zahlen lügen nicht. In der technisch hochgerüsteten Deutschen Eishockey Liga, in der alle Spieler und sogar der Puck mit Funk-Chips getrackt werden, war ermittelt worden, dass kein Team so verschwenderisch mit seinen Chancen umgeht wie der EHC Red Bull München, in der Realität lag er 27 Tore unter dem Expected-goals-Wert. Da tut dem diese Saison kriselnden Meister eine Partie wie die am Donnerstagabend gegen die Schwenninger Wild Wings ganz gut. Da liefen die Kombinationen und passten mal die Abschlüsse – auch bei den Akteuren, die Krisensymptome gezeigt hatten. Unexpected goals. Nach 27 Minuten riefen die Münchner Fans in der erneut ausverkauften (5728) Olympia-Eishalle schon frech „Nur noch vier“ – so brutal, den Gegner zweistellig vorzuführen, war der EHC aber nicht. Beziehungsweise: Das konnte er auch nicht. Er gewann mit 7:3 (3:0, 4:0, 0:3).
Die eineinhalb Wochen Punktspielpause waren die Zeit, die beim EHC einige Wunden heilten. So kehrte Nico Krämmer ins Line-up zurück und überraschend auch Chris DeSousa, bei dem jüngst infolge einer Trainingsverletzung das Saisonaus befürchtet worden war. Toni Söerholm hatte auf einmal einen so breiten Kader zur Verfügung, dass er von seinen derzeit zehn gesunden Kontingentspielern einen für überzählig erklären musste: Es traf Verteidiger Andrew MacWilliam.
Schwenningen ist eine komische Truppe. Zuhause die beste der Liga, zwei Tage zuvor hatte sie Tabellenführer Berlin 3:0 geschlagen. In der Auswärtstabelle sind die Wild Wings Vorletzter. Jedenfalls traten sie nicht auf wie ein aktuell Vierter, sondern wie ein Abstiegskandidat. In das 3:0 gegen Berlin waren viel Energie und noch mehr Emotionen gelegt worden, der am Dienstag noch überragende schwedische Torwart Eriksson brach am Donnerstag ein, ging nach 22 Minuten und vier Gegentreffern vom Eis. Kurz zuvor hatte Stürmer Leon Hungerecker noch gehadert: „Es geht darum, uns abzusetzen – doch danach sieht’s nicht aus.“
„Die Form finden, konstant spielen“, so lautete in der Wiedergabe von Kapitän Patrick Hager die Vorgabe für den EHC. Erfüllte er sie? Vorne ja. De Sousa, der selbst ein Tor erzielte (ein Solo, bei dem er aus der eigenen Zone startete), und Krämmer belebten das Offensivspiel, Austin Ortega (1:0 und 5:0) und Filip Varejcka (3:0 und 6:0) trafen doppelt, für die weiteren Treffer sorgten Konrad Abeltshauser (4:0) und Trevor Parkes (38.).
Doch es gab auch ein Schlussdrittel, in dem der EHC sich selbst die Tore fing – durch Brown, Larkin, Bassen. Aus dem 7:0 wurde ein 7:3. Die Schwenninger Kurve skandierte nun: „Nur noch vier.“