München – Was unsere Zeitung schon in der Vorwoche berichtete, ist seit Mittwoch perfekt. Stephan Engels wird den TSV 1860 ab sofort nebenberuflich als Kaderplaner unterstützen. Der 32-Jährige arbeitete bislang als Chefscout beim Drittliga-Rivalen SC Verl und wird bei den Löwen eng mit Sportgeschäftsführer Christian Werner (42) zusammenarbeiten.
„Ich freue mich sehr auf die Aufgabe und bin glücklich, künftig zur Löwenfamilie zu gehören“, sagt Engels. „Gemeinsam mit dem bestehenden Team werden wir es schaffen, den treuen Löwen-Fans einen schlagfertigen und erfolgreichen Kader zu präsentieren, der allen Freude bereitet.“
Engels, der vorerst nicht nach München ziehen, an den Wochenenden aber bei den Spielen sein wird, spielt dabei eine Schlüsselrolle. Anders als Chefscout Jürgen Jung (48), der mit seiner Abteilung naturgemäß nicht im hauseigenen Teich, sondern in fremden Gewässern nach potenziellen Verstärkungen fischt, hat Engels als übergeordnetes „Mastermind“ stets den eigenen Kader und die Vorschläge der Scouting-Abteilung im Blick.
„Es ist eine extrem wichtige Position“, erklärt Werner. „Wir haben die Möglichkeit, Märkte gemeinsam zu betrachten. Der Chefscout schaut sich extern um – und der Kaderplaner checkt, wo die externen Spieler im Vergleich zu unseren eigenen stehen.“ Und zwar auf Grundlage einer eigenen DNA. Sechzig stellt sich mit Engels auf der sportlichen Kommandobrücke auch deshalb breiter auf, weil der Club langfristig eine eigene Spielidee entwickeln will. „Löwenfußball mit Wiedererkennungswert“, umschrieb Werner das Vorhaben kürzlich im Interview mit uns.
Einen Kader anhand einer Spielidee auszurichten – genau damit sammelte Engels bei Ex-Club Verl wertvolle Erfahrungen, die er nun in München einbringen soll. „Verl steht dafür, dass man mit klaren Anforderungsprofilen arbeitet“, sagt Werner. Ein solches Konstrukt sei grundsätzlich relativ unabhängig von Schwankungen. Was Werner meint: Verlässt ein Spieler oder der Trainer den Club, hat der Verein bzw. der Kaderplaner bereits einen oder mehrere Nachfolge-Kandidaten – intern wie extern – auf seiner Liste. Nach diesem Schema schaffte es Verl, schnell auf den Abgang von Top-Scorer Oliver Batista Meier (nach Zürich) reagieren zu können. Der war kaum weg, da stand mit Marco Mannhardt (von Regionalligist Illertissen verpflichtet) der Nachfolger schon auf der Matte.
„Stephan Engels hat sich da gut eingebracht, er passt gut zu unserer Arbeitsweise“, schwärmt Werner. „Er wird unser hervorragendes Scouting-Team um Jürgen Jung unterstützen.“ Werner selbst obliegen als Sportgeschäftsführer dann am Ende die Vertragsverhandlungen. Und da kommt viel Arbeit auf den gebürtigen Hessen zu. Gleich bei mehreren Leistungsträgern (u.a. Kapitän Jesper Verlaat, Stürmer Fynn Lakenmacher und Nachwuchshoffnung Mansour Ouro-Tagba) enden im Sommer die Verträge. Muss Engels gleich einen Komplett-Umbruch managen? Werner zugeknöpft: „Wir sind in einem transparenten Austausch mit unseren Spielern.“