Seoul – Jürgen Klinsmann war zur Krisensitzung in Seoul aus Kalifornien per Video zugeschaltet. Es ging um seine Zukunft als Nationaltrainer Südkoreas – und nach drei Stunden war klar, dass es nach dem ernüchternden Halbfinal-Aus im Asien-Cup keine Zukunft für den 59-Jährigen bei den Taegeuk Warriors mehr gibt. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass Klinsmann aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage ist, seine Aufgaben als Nationaltrainer wahrzunehmen, und dass ein Führungswechsel notwendig ist“, sagte Hwangbo Kwan vom Nationalmannschaftskomitee des Verbandes KFA. Es war die unmissverständliche Rauswurf-Empfehlung des Gremiums an den Vorstand, der letztlich entscheiden muss.
Am Donnerstag war es vor dem KFA-Hauptquartier schon zu kleineren Demonstrationen gegen den ungeliebten Coach gekommen: „Feuert Klinsmann sofort“, stand auf einem Plakat. Die Entlassung nach knapp einem Jahr käme wenig überraschend. Der ehemalige Bundestrainer, mit großen Zielen angetreten, stand nicht erst seit der Pleite gegen den Außenseiter Jordanien massiv in der Kritik. Hwangbo monierte, dass Klinsmanns „taktische Vorbereitung während der enttäuschenden Asienmeisterschaft in Katar zu wünschen übrig ließ“. Zudem soll der frühere Torjäger nicht entschlossen genug nach neuen Talenten gesucht haben. Und: Er habe „interne Konflikte oder die Stimmung im Team nicht erfasst“. Zuletzt war es beim Essen zu einem Streit zwischen Starspieler Heung-Min Son und dem 22 Jahre alten Mittelfeldspieler Kang-In Lee gekommen, dabei kugelte Son sich einen Finger aus. sid