Europa rückt enger zusammen

von Redaktion

Klares Signal an den umstrittenen FIS-Präsidenten Eliasch: Verband FESA will Ski-EM ausrichten

VON THOMAS JENSEN

München – Leise kriselt der Schnee! Seit seinem Amtsantritt vor rund zweieinhalb Jahren hat sich Johan Eliasch, Präsident des Ski-Weltverbandes FIS, nicht besonders viele Freunde gemacht. Während es offiziell zuletzt eher ruhig blieb, brodelt es hinter den Kulissen gehörig. So sehr, dass sich die europäischen Verbände mehr und mehr zu einem Gegengewicht formieren. Ihre Vereinigung benannten sie im Oktober in FESA um (Federation of European Ski & Snowboard Associations). Jüngst kam zum ehrenamtlichen Präsidium ein hauptamtliches Management hinzu.

„Wir haben schon bei der Sitzung im Oktober gesagt, dass wir mehr Man- und Womanpower brauchen, um uns weiterzuentwickeln“, erklärt Roswitha Stadlober, Präsidentin des österreichischen Verbandes sowie der FESA, unserer Zeitung. Das Weiterentwickeln bezieht sie vor allem auf eines: „Hauptziel ist, den Nachwuchs an den Weltcup heranzuführen.“ Etwa über den Alpencup oder den Skandinavien Cup ermöglichen die FESA-Länder in den verschiedenen Disziplinen ihren Talenten erste internationale Erfahrungen.

Allerdings verheimlicht die 60-jährige ehemalige Spitzen-Slalomfahrerin nicht, dass sich die 17 Mitglieder – zu denen neben Deutschland und Österreich auch alle anderen Alpenländer sowie die großen skandinavischen Länderzählen – mehr vorstellen können. „Es gibt das Ziel eines größeren Events zum Ende der Saison. Einer Europameisterschaft.“ Realistisch sei das frühestens ab 2026. Ob noch mehr denkbar ist? „Ausschließen kann man nichts, wenn man sich in einer Entwicklung befindet und nach Höherem strebt.“ Eine klare Botschaft an Eliasch: Die FESA kann guten Sport auch alleine organisieren. 2026 wäre zwei Jahre vor den von der FIS angestrebten ersten FIS-Games, einer Art Winter-Mini-Olympia. Den Kontakt mit Ideengeber Eliasch beschreibt Stadlober als „vereinzelt“ und „wenn dann per Mail oder auf operativer Ebene. Er hat mir zum Beispiel schriftlich abgesagt, als er nicht zur einzigen FIS-WM kommen konnte, die wir diese Saison in Österreich hatten, die Skiflug-WM.“

Wenig zu hören ist vom 62-jährigen Multimilliardär und seinem Verband zum Dauerthema Alpin-Kalender. Eine Anpassung des Sölden-Termins für 2024/25 scheint die FIS trotz der Aussagen ihres Präsidenten im Herbst („Ich verstehe nicht, wer sich im Oktober für Skirennen interessiert und warum wir auf Gletscher ohne Schnee fahren“) verschlafen zu haben. Selbst wenn man den Weltcup später austragen wollen würde, es ginge nicht mehr. Stadlober erklärt: „Es ist zu spät, es geht darum, die Zimmer rechtzeitig zu buchen.“

Ebenso gering scheint die Entwicklung im schwelenden Streit um die von Eliasch erwünschte Zentralvermarktung zu sein. Einem Vorab-Deal im Sommer zwischen FIS und der Agentur Infront folgte bislang nichts. Denn die – allgemein als Rechteinhaber gesehenen – ausrichtenden Verbände waren nicht einbezogen. „Es gibt schon Kommunikation. Aber Bewegung ist in diesem Thema aktuell nicht drin“, kommentiert Stadlober. Zu hören ist von Scharen von Anwälten auf beiden Seiten.

Ganz anders klingt Stadlober, wenn sie über die Kommunikation in der FESA spricht. „Das Schöne ist, dass viele Länder Interesse daran haben, enger zusammenzurücken, sich besser auszutauschen und abzustimmen. Diesen Bedarf bedienen wir.“ Der Kontakt mit den amerikanischen Verbänden sei gut, „wenn auch nicht so eng wie mit den europäischen“, führt Stadlober aus: „Es darf auf keinen Fall sein, dass sich die große Ski- und Snowboardfamilie auseinanderlebt, es muss zusammengehalten werden. Damit unser Produkt nicht verloren geht.“

Eliasch hat von der Zukunft seine ganze eigene Vorstellung. Alpin-Rennen in China zum Beispiel. Zuletzt irritierte der Schwede als er CO2-Emissionen durch Zuschauer des Ski-Spektakels in Schladming mit denen von Fans bei einem Rennen in Aspen (USA) verglich, um mehr Rennen außerhalb Europas zu rechtfertigen. Aber wer weiß, vielleicht finden die ohnehin bald ohne die europäischen Stars statt.

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