Historisch: Das zweite Spiel in Folge ohne Torschuss

von Redaktion

Selbst Harry Kane steckt im Formtief und gerät in die Kritik – Wenigstens mehr Ballkontakte als in Leverkusen

Rom – Eine Plastiktüte, das war alles, was Harry Kane an diesem gebrauchten Abend aus dem Römer Olympiastadion mitnahm. Und irgendwie musste man beim Anblick des nicht gerade sonderlich glücklich wirkenden Stürmers des FC Bayern an die Zeiten denken, in denen er sich vor Dreierpack-Bällen unter dem Arm kaum retten konnte. Im Jahr 2024 wirkt der „running gag“ der Hinrunde wie aus einer anderen Zeit: Seitdem Kane mit seiner Familie in einem Münchner Haus und nicht mehr in einer Hotelsuite wohnt, kam er gar nicht in Verlegenheit, nach einem geeigneten Platz für das nächste Spielgerät zu suchen. Weil er schlichtweg im Formtief ist – wie die gesamte Münchner Vordermannschaft.

„Von sieben Torschüssen kriegen wir keinen einzigen aufs Tor“, sagte Thomas Tuchel nach Abpfiff des schmerzhaften 0:1 und ordnete die Gemütslage in der Gästekabine irgendwo zwischen „frustriert und sauer“ ein. Dem Coach selbst ist mit Blick auf sein verunsichertes Team klar, dass man „einige Baustellen“ im Kader habe. Die Defensive kam in der zweiten Halbzeit ins Schwimmen, schon in den deutlich besseren ersten 45 Minuten aber hatte die Offensivabteilung mal wieder enorm geschwächelt. Thomas Müller beschrieb es treffend: „Wir hatten zwei, drei riesengroße Möglichkeiten mit Spielern, die auch die Qualität haben, die Dinger zu verwandeln.“ Ein Gruß ging dabei auch an Kane, der sich schon auf dem Feld von Müller einen Rüffel abgeholt hatte.

„Auch Harry tut sich grad schwer“, sagte Christoph Freund. „Es ist nicht so leicht da vorne gerade.“ Nach 18 Ballkontakten beim persönlichen Tiefpunkt in Leverkusen (0:3) waren es gegen Lazio 31. An den Kane der ersten Monate in München aber erinnert aktuell nur noch sehr, sehr wenig. Der 30-Jährige hat sich dem niedrigen Mannschaftsniveau angeglichen, in dem aktuell laut Manuel Neuer „Vieles einfach sehr schwerfällt“. Die Statistik spricht Bände: Zwei Spieler hintereinander ohne echten Torschuss wurden seit Beginn der Datenerfassung noch nie für den FC Bayern ausgewiesen.

Weil aktuell niemand in der Lage zu sein scheint, vorwegzugehen, weiß Neuer: „Es geht nur über Siege, über Tore, über Sicherheit, die du dann zurückbekommst.“ Man brauche „Erfolgserlebnisse“, um aus der Negativspirale rauszukommen. Freund hofft schon gegen Bochum am Sonntag auf „ein Spiel, in dem wir mal in Führung gehen“. Es müssen ja nicht gleich drei Kane-Tore sein. Aber eines wäre schon mal wieder schön.  hlr

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