„Natürlich kribbelt es da“

von Redaktion

EHC- und FCBB-Ikonen Michael Wolf und Steffen Hamann auf der Baustelle des SAP Gardens

München – Sie sind zwei Legenden ihrer Münchner Clubs. Michael Wolf führte den EHC Red Bull München zu drei Meisterschaften, Steffen Hamann war ein Spieler der ersten Stunde des Profiprojektes der Bayern-Basketballer. Beide trafen sich nun auf der Baustelle der künftigen Heimstätte ihrer Ex-Teams – des SAP Gardens, den Red Bull derzeit im Olympiapark errichtet.

Herr Hamann, was verbinden Sie mit München?

Hamann: Sportlich war es für mich erst mal ein Schritt zurück in die zweite Liga. Aber ich habe das große Projekt, die Vision, die Power, die beim FC Bayern hinter so etwas steckt, sofort gespürt. Das ging damit los, dass man Dirk Bauermann verpflichtete, dann auch Demond Greene, das waren ein Bundestrainer und ein weiterer Nationalspieler – für die ProA. Und dann suchte man das Gespräch mit mir. Ich war bei Alba Berlin, war Kapitän der Nationalmannschaft. Und menschlich, familiär habe ich die zweite Heimat nach Bamberg gefunden.

Herr Wolf, bei Ihnen war die Blickrichtung anders …

Wolf: Ein bisschen, ja. Nach neun Jahren in Iserlohn, ohne wirkliche Chance auf Titel, war der Weg schon ganz klar, dass man zum EHC Red Bull München geht, um Meisterschaften zu gewinnen. Ich war auch Kapitän der Nationalmannschaft, auch von daher war die Marschrichtung klar. Und das ist uns dann ja auch sehr erfolgreich gelungen. Gerade die erste Meisterschaft bleibt in besonderer Erinnerung. Da fällt so viel ab. Das vergisst du nie. Hamann: Das stimmt. Bei mir war es hier in München zwar nicht die erste. Aber für den Club war es die erste der Neuzeit. Da war schon viel Dampf drauf. Und dass wir das geschafft haben, das ist schon etwas sehr Besonderes.

Was bedeuten Ihnen denn Trophäen generell?

Hamann: Meine hat mein Vater irgendwo gelagert. Bei mir zu Hause habe ich gar nichts. Ich habe das alles in meinem Kopf. Wolf: Bei mir auch, ich habe meine Sachen irgendwo im Keller stehen… Hamann: Das ist immer ein schlechtes Zeichen… (lacht) Wolf: Wie du sagst, es ist alles im Kopf. Wobei: Wenn du aufhörst, ist das alles in den ersten Monaten oder Jahren gar nicht so real. Erst mit ein bisschen Abstand sieht man, was man erreicht hat.

Wann kommt der Moment des Verstehens?

Wolf: Teilweise erst jetzt, wenn man sieht, was da so entstanden ist. Wozu man ja irgendwie beigetragen hat.

Sie waren bei Ihrem Wechsel 33, wurden mit dem ersten Spitzenclub Ihrer Karriere dreimal Meister. Kamen da jemals Gedanken auf: Warum denn erst jetzt?

Wolf: Ach, das ist immer so eine Sache. Mir hat es in Iserlohn sehr, sehr gut gefallen. Ich würde es sofort wieder so machen. Das war meine zweite Heimat mit meiner Familie da oben. Ich hatte schon auch immer gehofft, dass sportlich vielleicht ein bisschen mehr geht, aber das hat leider nicht geklappt. Mit München und den Red Bulls hat sich das halt dann so ergeben. Wobei es auch gepasst hat, dass München sehr viel näher an meiner Heimat Füssen liegt. Gut, ich war nicht mehr der Jüngste, aber es war immer noch okay, denke ich. Hamann: (lacht) Und jetzt sag: Das müssen andere beurteilen.

Sie waren Spieler, die, einmal am richtigen Ort auch szene-untypisch lange geblieben sind.

Hamann: Für mich war es am Anfang das Größte, beim Club meiner Heimat in Bamberg zu spielen. Aber irgendwann kennst du da dann halt alles und jeden und wenn der Fan in Reihe sieben mal nicht da ist, denkst du dir, was ist mit dem? Ist er krank. Aber irgendwann kommst du an den Punkt, wo du denkst: Wenn du jetzt nicht gehst, dann gehst du nie. Berlin war zwar der Rivale, aber auch eine Chance.

Mit dem Wechsel nach München sind Sie beide auch dem Ruf einer Marke gefolgt. War die damit verbundene Stabilität wichtig?

Wolf: Na ja, man wusste schon, wo Red Bull dabei ist, ist der Erfolg normalerweise nicht weit. Da hat man sicher gehofft. Weil sie einfach wissen, was sie tun müssen. Und deshalb haben sie auch die richtigen Spieler, die richtigen Trainer bekommen. Der Manager ist immer noch da. Man hat auch früh gehört, dass eine Halle geplant ist, was ja auch zeigt, dass es kein kurzfristiges Engagement ist. Hamann: Ich wäre sicher nicht zu einem beliebigen Zweitligisten gewechselt. Klar, Bayern steht für etwas, wenn Uli Hoeneß spricht, dann ist auch etwas dahinter. Das bedeutet natürlich auch Druck. Man hat uns klar gesagt, dass wir den Aufstieg im ersten Jahr schaffen mussten. Eine Lizenz würde man nicht kaufen. Aber was daraus geworden ist, steht ja auch für sich.

Genug, dass Sie fast direkt an Bord geblieben sind …

Hamann: Ja, dafür steht der Verein ja auch. Das war eine der ersten Ansprachen von Uli Hoeneß bei uns. Dass der Verein wie ein Regenschirm ist. Wenn du nicht mehr spielen kannst, dann fängt er dich auf. Und das war dann ja auch so. Ich war sieben, acht Jahre Jugendtrainer, jetzt Markenbotschafter. In so einem dynamischen Projekt ist das wahnsinnig spannend.

Bei Ihnen war der Verbleib nur kurzfristig, Herr Wolf.

Wolf: Ja, die erste Zeit nach meinem Karriereende als Spieler habe ich mit Christian Winkler zusammengearbeitet. Ich stehe auch heute noch in regelmäßigem Kontakt. Aber momentan lässt die familiäre Situation – wir haben in Füssen ein Schuhgeschäft – nicht mehr zu. Schauen wir mal, wie es weitergeht. Aber ich habe auch immer anders gedacht, weil mir eigentlich nie klar war, dass es im Eishockey soweit gehen kann.

Und plötzlich ist man in der Hall of Fame…

Oh ja, plötzlich ist es so weit.

So wie sich die Clubs entwickeln, den SAP Garden inklusive, würde man da gerne noch einmal am Anfang stehen?

Wolf: Wenn ich mir die Halle hier so anschaue, dann würde ich da schon noch mal spielen wollen, auf alle Fälle. Schlittschuhe anziehen und noch einmal eine Runde mitspielen. Aber die Zeiten sind vorbei. Hamann: Klar. Wir waren ja mit der aktuellen Mannschaft hier und die waren alle schon Feuer und Flamme. Und mir geht es genauso. Natürlich kribbelt es da und man würde gerne noch mal am Parkett stehen. Denn so etwas wie hier hat man sich in den Anfangsjahren einfach nicht vorstellen können. Aber okay, wir beide haben, glaube ich, genug Zeit gehabt, uns vom Sport zu trennen. Und die Ü40 tun in den Knochen genug weh. (lacht)

Welche Rolle haben in Ihren Karrieren denn Hallen gespielt? Verliebt man sich als Spieler in Plätze?

Hamann: Das Witzige ist: Ich bin in allen Clubs umgezogen. In Bamberg und Berlin in die heutigen Arenen. Hier in München von der Eissporthalle in die Rudi-Sedlmayr-Halle, den heutigen BMW Park. Den liebe ich ja. Ich mag Plätze, wo sich das Alte mit dem Neuen verbindet. Aber teilweise denkst du auch eher an bestimmte Spiele. So wie das Spiel gegen Würzburg, das wir in der zweiten Liga in der großen Olympiahalle gemacht haben. Vor 12 000 Zuschauern. Ich glaube, Effenberg hat mit dem Cabrio den Ball aufs Spielfeld gebracht. Unvergessen. Wolf: Ich habe ja so ziemlich überall gespielt. Alte Eishallen, moderne Multifunktionsarenen. Früher habe ich gerne in Hamburg gespielt. Nach dem Rückzug des Clubs aus der höchsten deutschen Spielklasse wurde dann in der Liga natürlich auch nicht mehr in dieser Halle gespielt. Aber wenn man sieht, was hier in München entsteht, dann wird der SAP Garden meine neue Nummer eins werden, auch wenn ich selbst nicht mehr spiele.

Sportler sprechen oft vom letzten Spiel der Karriere. Herr Wolf, Sie haben Ihres verloren. Schmerzt das?

Wolf: Nein, ich hatte super Jahre in München, ich hatte auch ein sehr, sehr schönes letztes reguläres Hauptrunden-Heimspiel, das man noch organisiert hat, weil man ja nicht weiß, was in den Playoffs passiert. Wir haben es bis ins Champions-League-Endspiel geschafft, auch in der DEL haben wir das Finale erreicht. Leider haben wir beides verloren. Aber Mannheim hat sehr gut gespielt und ist zu Recht Meister geworden. Ich habe daran keine negativen Erinnerungen.

Und wer kann schon sagen, dass sich die Auswärtshalle für ihn vom Sitz erhebt, wie es bei Ihnen in Mannheim passiert ist …?

Wolf: Oh ja, da war ich sehr überrascht und emotional auch ein bisschen überwältigt. Dafür war ich sehr dankbar. Hamann: Ich habe das letzte Spiel ja gewonnen, bei der Meisterschaft in Berlin. Die Woche danach war schon wild. Mein Trikot hängt jetzt an der Decke, ich sehe es jeden Tag, wenn ich zur Arbeit gehe. Der Basketball hat in Deutschland ja leider immer noch keine Hall of Fame. Vielleicht finden wir da irgendwann hin, auf die Vergangenheit stolz zu sein. Wir wollen da als FC Bayern jetzt beim Pokal-Top-4 einen Anstoß geben. Am Tag vor dem Halbfinale wird es eine Gala mit rund 50 Legenden in der BMW Welt geben. Leute wie Henning Harnisch, Norbert Thimm, Holger Geschwindner – alle Generationen. Dirk Nowitzki wird uns eine Grußbotschaft schicken.

Interview: Patrick Reichelt

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