München – Auf Instagram sieht das alles sehr ästhetisch aus. Tolle Aufnahmen sind da von Lisa-Marie Buckwitz zu sehen, mal in Trainingsklamotte, mal im Rennanzug, ab und an auch im Freizeitlook – und den Leuten gefällt’s. Bis zu 30 000 Likes kriegt die amtierende Vize-Weltmeisterin im Zweierbob für ein Bild, die Follower-Anzahl (519 000) spricht ihr Übriges. Buckwitz kommt an, das weiß sie. Trotzdem sagt sie vor dem Start der Heim-WM am Wochenende in Winterberg: „Ich würde mich nicht als Influencerin bezeichnen. Ich bin Leistungssportlerin.“
Thomas Schwab versucht es auf die liebevolle Art. Der Chef des deutschen Verbandes BSD nennt Buckwitz „Bobfluencerin“, und vielleicht trifft das den Kern am besten. Immerhin ist die 29-Jährige hinter Leichtathletin Alicia Schmidt (fünf Millionen Follower) und Rennfahrerin Sophia Flörsch (820 000) die drittgefragteste deutsche Sportlerin auf Instagram. Man kann da schon von zweiten Standbein sprechen, aber Buckwitz tut es, das merkt man im Gespräch, nicht so gerne. Die „viele Arbeit“ für den Account – knapp 600 Beiträge hat sie gemeinsam mit ihrem Freund, dem Anschieber Hans Peter Hannighofer, abgesetzt– nimmt sie in Kauf. Sie denkt dabei aber vor allem an ihren Sport. In Zusammenarbeit mit dem Verband „nutze ich gerne meine Reichweite“, sagt sie. Wohlwissend, dass eine Bekanntheitsspritze der Nischensportart durchaus helfen kann. Zumal der Hauptsponsor (DHL) bereits seinen Rückzug zum kommenden Winter angekündigt hat. Keine leichten Zeiten.
Die Heim-WM in Winterberg ist die letzte, bei der die BSD-Athleten ganz in Gelb an den Start gehen werden. Und für Buckwitz ist es – obwohl sie schon 29 Jahre alt ist und sich als „alten Hasen“ bezeichnet – die erste, bei der sie mit realistischen Medaillenambitionen durch den Eiskanal rast. Zwar hat die gebürtige Berlinerin schon im Vorjahr in St. Moritz Silber (Zweier) und Bronze (Monobob) geholt, dort allerdings kam das Edelmetall noch überraschend. Nach vier Siegen im Einer- und drei Podestplätzen im Doppel-Schlitten zählt Buckwitz heuer zu den Favoritinnen. „Ich habe einen großen Schritt gemacht, bin noch stabiler geworden“, sagt sie. Bei der Generalprobe in Altenberg musste sie einen Sturz hinnehmen – trotzdem ist das Ziel für die WM klar.
Vor allem im Monobob setzt Buckwitz, ehemals Siebenkämpferin, Maßstäbe. „Meine Athletik ist mein Steckenpferd“, sagt sie. Schon als Anschieberin verhalf sie Mariama Jamanka 2018 unverhofft zum Olympiasieg – und der Werdegang, den Buckwitz selbst seit dem Coup von Pyeongchang eingeschlagen hat, liegt in dieser Medaille begründet. Die Motivation hat damals nachgelassen, sie sagt: „Ich hatte kein echtes Ziel mehr.“ Also ab an die Lenkseile, wo ein langer und steiniger Weg begann.
„Die letzten fünf Jahre waren die härtesten meines Lebens“, sagt Buckwitz, denn nach dem mutigen Schritt in die erste Reihe habe sie „komplett bei null angefangen“. Viele schmerzhafte Stürze, kein Kaderstatus mehr, sogar die Sportförderung wurde ihr gestrichen. „Es war zäh“, sagt Buckwitz, aber sie hat auf ihr Umfeld gehört. Dass es „nicht immer schneller, höher, weiter“ geht, weiß sie inzwischen. Zum zweiten Mal in Folge zählt Buckwitz neben Olympiasiegerin Laura Nolte (Winterberg) und Kim Kalicki (Wiesbaden) zum starken deutschen Team. Bis zu den Olympischen Spielen in zwei Jahren in Cortina soll das so bleiben.
Ihr Vorbild übrigens hat Buckwitz nicht auf Instagram gefunden, sondern im echten Leben. „Mariama hat das erreicht, was ich noch schaffen möchte“, sagt Buckwitz über ihre einstige Pilotin Jamanka. Auch die heutige TV- Moderatorin startete einst als Anschieberin und beendete ihre Karriere mit Olympiagold als Pilotin. Die Arbeit, die dazwischen lag, sah vielleicht nicht immer nur ästhetisch aus – aber sie hat sich am Ende mehr als ausgezahlt.