München – „Es ist verdammt schwer, gegen München viermal in einer Saison zu gewinnen.“ Das sagte neulich Tom Pokel, der Trainer der Straubing Tigers, die nach zuvor drei Siegen beim letzten Aufeinandertreffen in der DEL-Hauptrunde doch noch geschlagen wurden. Auch sein Ingolstädter Kollege Mark French scheiterte an dem Vorhaben – aber knapper: Mit drei Derby-Siegen war der ERCI angereist – und verlor das vierte Spiel, wenn auch erst in der Verlängerung mit 1:2. Zwei Punkte für den EHC Red Bull München, einen für Ingolstadt. In den Playoffs werden sich die oberbayerischen Kombattanten aufgrund des Tabellenkonstellation nicht (so schnell) sehen.
Beim EHC war Maxi Kastner nach mehrwöchiger Verletzungspause zurück im Lineup, dafür fehlte Ben Street. Die frei werdende Ausländerstelle besetzte der zuletzt überzählige Verteidiger MacWilliam – Coach Toni Söderholm konnte also eine Kapelle aufbieten, in der jedes Instrument besetzt war.
Beim ERC Ingolstadt nahm sich ein Akteur im ersten Drittel selbst aus dem Spiel: Stürmer Travis St. Denis platzierte abseits des Spielgeschehens seinen Ellbogen am Kopf von EHC-Abwehrspieler Emil Johansson. Den Kameras entgeht nichts, im äußersten Winkel war die Aktion zu sehen, nach Analyse der Bilder durch die Schiedsrichter war St. Denis’ Einsatz für diesen Abend beendet. Der kanadische Rüpel kann sich auf die nächste Sperre durch die Liga gefasst machen. Fruchten diese Maßnahmen allerdings, so scheint es wenig, St. Denis hatte schon im Herbst für einen Aufreger gesorgt, als er den Augsburger Dave Warsofsky vermutlich in die Sportinvalidität fuhr. Auch da ging es gegen den Kopf. Warsofsky hat seitdem nicht mehr spielen können, Johansson hatte Glück, für ihn ging’s weiter.
Ingolstadt führte 1:0, als die St. Denis-Szene sich ereignete. Mirko Höfflin hatte bereits in der 2. Minute einen Konter der „Schanzer Panther“, begleitet von Hunderten Fans, perfekt mit dem 1:0 für sein Team abgeschlossen. Kurt vor Ende des ersten Drittels visierte Ingolstadts WM-Star Wojciech Stachowiak den Pfosten des Münchner Tores an – kurz nachdem die fünfminütige Unterzahl als St. Denis-Folge überstanden war. „München hat einen starken, aggressiven Forecheck“, sagte Höfflin, „doch wir versuchen, ihnen in der neutralen Zone die Geschwindigkeit zu nehmen, das macht es für unsere Verteidiger leichter. Die Ingolstädter schirmten ihr Gehäuse ab, was durchkam, wehrte Goalie Michael Garteig ab. „Die Chancen sind da“, sagte EHC-Stürmer Markus Eisenschmid nach zwei Dritteln und bei immer noch 0:1-Zwischenstand, „wir scheitern an einem starken Torhüter“.
Ohne den Schurken St. Denis war es ein beidseits streng diszipliniert geführtes Match mit harter Defensivarbeit und doch genügend guten Chancen. Yasin Ehliz glich in der 49. Minute per Konter zum 1:1 aus. Also Zugabe, Verlängerung. Sie dauerte 3:52 Minuten. Dann sorgte Chris DeSousa dafür, dass der EHC gegen Ingolstadt punkten konnte. GÜNTER KLEIN