„Ich bin nicht das einzige Problem“

von Redaktion

Pressetermin mit Zündstoff: Tuchel nach Trennungsbeschluss angriffslustig

VON VINZENT TSCHIRPKE

München – Das Pressestüberl an der Säbener Straße war lange nicht so voll wie am Freitagmittag. Die erste Pressekonferenz nach Bekanntgabe der Trennung von Thomas Tuchel und dem FC Bayern zum Saisonende war mit Spannung erwartet worden. Und obwohl es formal um die anstehende Partie gegen RB Leipzig (Samstag 18.30 Uhr/Sky) gehen sollte, war das Thema der PK klar: „Wenn es ein eindeutiges Bild wäre und es einen eindeutigen Schuldigen gäbe – in dem Fall den Trainer – dann säße heute jemand anders hier“, erklärte Tuchel gleich zu Beginn seine Entlassung auf Zeit.

Laut Bayern-Pressemitteilung war diese zwar „einvernehmlich“ beschlossen worden, der Noch-Trainer sah das aber anders: „Ich bin mir nicht sicher, ob es die Option gab, dass ich das entscheide. Ich bin ja Angestellter vom Verein.“ Eine Aussage, die aufhorchen ließ – und der offiziellen Kommunikation des Rekordmeisters öffentlich widersprach!

Danach wurde es aber noch schärfer: „Ich denke nicht, dass ich das einzige Problem bin, ich bin aber in der Verantwortung“, antwortete Tuchel vielsagend auf Nachfrage zu den Gründen für sein Aus – wohlwissend, dass er damit eine verbale Spitze an Spieler und Führungskräfte im Verein verteilt. „Die Verantwortlichen kennen meine Analyse. Es ist eine sehr selbstkritische Analyse, aber definitiv nichts für die Öffentlichkeit.“

Was also konkret schiefgelaufen ist zwischen ihm und dem FCB, ließ der Coach offen. Klar ist aber: Mit seinen Andeutungen nahm er den gesamten Verein in die Pflicht. Gerade nach den Berichten um das angespannte Verhältnis zu Joshua Kimmich, das durch einen von Tuchel angeregten Verkauf des Sechsers entstanden sein soll, gab er so Spielern und Bossen eine Mitschuld für die Krise.

Brisant wurde es dann zum Ende der Pressekonferenz: Auf Nachfrage eines Reporters vom TV-Sender Sky, der anmerkte, ob er jetzt nicht schlicht die besten Spieler ohne Gedanken an die Zukunft aufstellen könnte, redete sich Tuchel in Rage. „Wenn Thomas Müller auf der Bank sitzt oder wenn Rapha Guerreiro auf der Bank sitzt – wie sind da die Nachfragen? Ihr seid doch die allerersten, die komplett einen Unterschied machen und darauf gehen, wer auf der Bank sitzt oder ausgewechselt wird“, so der sichtlich aufgebrachte Coach. „Dann wird eine Woche Sondersendung drüber gemacht. Da ist es doch sehr naiv zu fragen: Ist es nicht einfach so, wer gut ist, spielt und wer nicht gut spielt, sitzt auf der Bank?“ Die Frage vom TV-Sender, der Tuchel immer wieder kritisiert hatte, sei sogar „heuchlerisch“ gewesen.

Pikant: Sky hatte vor der Frage die Live-Übertragung abgebrochen und zurück ins Studio geschaltet – von der Verbalattacke auf den Sender haben dessen Zuschauer also gar nichts mitbekommen.

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