München – Platz sechs nach der Hinrunde, viertbeste Offensive – das alles mit einem der jüngsten und günstigsten Kader der 3. Liga. Der SC Verl, 2021 aufgestiegen, hat seinen Platz im deutschen Profifußball gefunden. Die Zeiten, da der ostwestfälische Club belächelt wurde, sind längst vorbei. Sogar beim TSV 1860, der 84 Jahre älter ist, 20-mal so viele Mitglieder hat und Deutscher Meister war, blickt man voller Respekt auf den Auswärtsgegner an diesem Samstag (16.30 Uhr). Dass die Löwen den kleinen SCV schätzen, hat Sportchef Christian Werner nicht nur einmal erwähnt – er hat es auch unterstrichen, indem er Verls Chefscout nach Giesing gelockt hat. Als Kaderplaner soll Stephan Engels (32) 1860 dabei helfen, sich trotz drohender Etatkürzung (4,5 Mio. Euro) solide aufzustellen.
Auch Argirios Giannikis, der aktuelle Erfolgstrainer der Löwen, sprach am Freitag voller Hochachtung über den in der Tabelle besser postierten Rivalen, der 1860 erstmals in der umgebauten Sportclub-Arena an der Poststraße empfangen wird – vor vermutlich voll besetzten Rängen (5207 Plätze). Giannikis imponiert „die mutige Spielweise, die die Verler seit Jahren an den Tag legen. Unabhängig, wer gerade Trainer oder Spieler ist – du würdest auch ohne Vereinsemblem erkennen, dass der SC Verl spielt. Ihr Fußball hat einen Wiedererkennungswert, die Abläufe sind flüssig“ – das mache den Verler Stil „so besonders“. Und trotzdem: Die Löwen wollen vermeiden, dass es ihnen ergeht wie vor einem Jahr im Heimspiel (0:3-Klatsche) – und ihre Erfolgsserie auf acht Spiele ohne Niederlage verlängern.
Auf Nankishi (Zerrung), Starke (Hexenschuss) und Torwart Richter (Grippe) muss Giannikis verzichten. Erstmals seit Oktober gehört Joel Zwarts wieder dem Kader an. Die Hoffnung des Trainers ist groß, dass seine Löwen auftrumpfen wie zuletzt – und die vorbildlichen Verler in der Tabelle hinter sich lassen. ULI KELLNER