Darmstadt am Boden

Das Team ist überfordert

von Redaktion

JAN-CHRISTIAN MÜLLER

Es kommt selten vor, dass Spiele von Darmstadt 98 in den einschlägigen Fußballstammtischen live im Fernsehen diskutiert werden. Der Sonntag war ein solcher Ausnahmetag, da machte sogar der „Doppelpass“, wo sonst meistens über Bayern und Dortmund gesprochen wird, mit Darmstadt 98 auf. In der bisherigen Saison hatte der Aufsteiger seine Spiele – das 0:8 bei Bayern München in Unterzahl ausgenommen – konventionell verloren, 0:2, 1:2, 0:1, 1:3, 2:3. Es gab hin und wieder das Darmstadt-übliche Underdog-Verhalten, das glauben machen sollte, mehr die Schiedsrichter als die Südhessen selbst seien für die prekäre Lage zuständig. Aufregung, die kaum über die schöne Stadt hinausgelangte.

Jetzt aber, nach einem 0:6 daheim am „Bölle“ gegen den FC Augsburg, das nach irrlichternden Aussetzern der Gastgeber schon nach 29 Minuten mit dem Zwischenstand von 0:5 zementiert worden war, waren die 98er plötzlich ein großes überregionales Thema. Auch deshalb, weil ein Anführer der Fans nach Spielschluss das vollführte, was Präsident Rüdiger Fritsch hinterher als „Gedankenaustausch“ bezeichnete. Nun ja, das war mutmaßlich eine reichlich schönfärberische Interpretation, aber eine übermäßige Aggression ließ sich in die Standpauke tatsächlich nicht hineininterpretieren. Zumal sie von der Fantribüne mit Anfeuerungsrufen garniert wurde.

Ob der Monolog aufbauende Wirkung haben wird für eine Mannschaft, die in der Bundesliga insgesamt überfordert ist, wird man sehen. Zumal Trainer Torsten Lieberknecht ähnlich dezidierte Kritik zur Pause lieber unterlassen hatte, um seine Leute nicht noch mehr zu verunsichern. Vereinschef Fritsch, ansonsten nach Spielen eher zurückhaltend, war so klug, sich nicht wegzuducken, sondern öffentlich zu stellen und keinen Zweifel zu lassen, dass die Klatsche keine fundamentalen Folgen haben wird: „Wir werden hier erleben, dass wir zusammenstehen.“ Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen, ach was, eine Sensation. Denn der Vertrag mit Lieberknecht wurde sehr zeitig eigens auch für den Abstiegsfall verlängert, weil es kühn wäre, mit diesem Mini-Etat und einem entsprechend wenig konkurrenzfähigen Kader den Klassenerhalt zu erwarten. Aber eines ist natürlich auch klar: Es darf jetzt nicht so ungeordnet und fehlerhaft weitergehen, wie es gegen Augsburg angelaufen ist.

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