Köln – Andreas Rettig hat einen Traum. „Wir hoffen auf zufliegende Herzen und Begeisterung“, sagte der Geschäftsführer des DFB. Die Nationalmannschaft steht besonders in der Verantwortung, damit sich der Wunsch erfüllt. Am Mittwoch sind es nur noch 100 Tage bis zum Eröffnungsspiel in München gegen Schottland.
Julian Nagelsmann hat Konsequenzen aus den Niederlagen zum Jahresabschluss gegen die Türkei und in Österreich gezogen. Er wird Weltmeister Toni Kroos zurückholen und kündigte für seine Kadernominierung am 14. März harte Entscheidungen an. „Es wird bestimmt der eine oder andere nicht nominiert werden, von dem viele denken, der sei sicher dabei“. Für den EM-Erfolg will Nagelsmann vor unpopulären Maßnahmen nicht zurückschrecken.
Durch die Rückkehr von Kroos ändert sich die Hierarchie. Joshua Kimmich muss nach hinten rechts weichen. Die Heim-EM soll nach drei Turnier-Enttäuschungen nicht auch zum Desaster werden. Das Risiko ist groß, Nagelsmann geht mit Kroos als Fixpunkt eines verunsicherten Teams All-in. Die Rückkehr, betonte Kroos, sei „aus tiefstem Herzen“ erfolgt.
Nagelsmann ist sich der schwierigen Situation bewusst. Die A-Nationalmannschaft liegt seit Jahren sportlich am Boden. Sein Motto: Runter vom hohen Ross! „Wir müssen unser Statusdenken abstellen.“ In der Vorrundengruppe mit Schottland, Ungarn und der Schweiz gilt der Gastgeber als Favorit. Nagelsmann setzt auf Leidenschaft und die Fans. Diese will er mit der richtigen Einstellung zurückgewinnen. „Wir müssen endlich anfangen, Fußball wieder zu arbeiten“, sagte der Bundestrainer. Wenn das gelingt, könnte sich Andreas Rettigs Traum erfüllen. sid