Debakel am Bosporus

von Redaktion

86:109 – Efes Istanbul zeigt Bayerns Basketballern eindrucksvoll die Grenzen auf

VON PATRICK REICHELT

Istanbul – In den Schlussminuten wollte Pablo Laso gar nicht mehr hinschauen. Der Trainer der Basketballer des FC Bayern saß zusammengekauert auf der Bank, die Hände gefaltet. Weil es schwer zu begreifen war, was sich an diesem Abend in Istanbul abgespielt hatte. Am Ende stand ein 86:109 (49:53) bei Efes Istanbul. Ein heftiger Rückschlag für die zuletzt so in Fahrt gekommenen Münchner. Laso war entsprechend angefressen. „Wir waren nie bereit für dieses Spiel“, sagte er, „wir sind nie als Mannschaft aufgetreten.“

Schon vor dem Start konnte man den Eindruck gewinnen: Es hat schon günstigere Momente für den Besuch in der Sinan Erdem Arena gegeben bei Efes Istanbul. Pünktlich zum Endspurt der Euroleague-Hauptrunde hat Europas bestes Team der Jahre 2020 (auch wenn die Saison seinerzeit nicht zu Ende gespielt wurde) bis 2022 seinen illustren Kader wieder komplett.

Mitten drin auch zwei Deutsche: Justus Hollatz, auch ein Weltmeister, der sich am Bosporus immer mehr ins Rampenlicht spielt. Und natürlich Tibor Pleiß, der 2,21-Meter-Schlacks, der schon seit 2018 seine sportliche Heimat bei Efes hat.

Doch es dauerte eine ganze Weile, bis die türkische Offensivwucht ihre Wirkung entfaltete. Eigentlich brauchte es dafür sogar die tatkräftige Mithilfe der zunächst mit dem Selbstbewusstsein eines niederlagenfreien Monats angetretenen Bayern. In den zehn Schlusssekunden der ersten Halbzeit schenkten die Münchner den Gastgebern erst einmal zwei Freiwürfe, dann legte der bis dahin starke Vladimir Lucic einen fürchterlichen Fehlpass drauf – und aus einem 49:49 war ein 49:53 geworden. Auch nur vier Punkte, aber das war offenbar der kleine Startschuss, der Istanbul gefehlt hatte. Allen voran Shane Larkin, der nun Katz- und Maus mit den Bayern spielte. Ausgerechnet der US-Guard, der mit den Bayern ohnehin eine seiner schönsten Erinnerungen verbindet. 2019 hatte er gegen die Münchner einmal 49 (!) Punkte eingesammelt. Diesmal blieb er bei. ebenfalls 28 Zählern stehen.

Spätestens nach dem üblen 16:34 im dritten Viertel war klar: Die Bayern würden einen Trend dieser Saison in Europa fortsetzen. Immer dann wenn sie auf dem Sprung in die angepeilten Play-in-Plätze schienen, handelten sie sich zuverlässig einen Rückschlag ein.

Wobei Rückschlag diesmal noch deutlich zu tief gegriffen war. Denn derart abgefrühstückt wurde das Ensemble um den NBA-Veteran selten – einzig das 59:98 beim FC Barcelona in der instabilen Frühphase war noch schlimmer. Denn während man am Donnerstagabend in Istanbul „nur“ die zweite Halbzeit in den Sand setzte, waren es damals alle beide.

Natürlich versuchten die Bayern, zumindest noch einmal Schadensbegrenzung zu betreiben. Was herauskam war symptomatisch für diesen Abend. So wie Lucics Pass auf Ibakas Schädeldecke.

Und das hat einen unschönen Nebeneffekt. Denn ganz nebenbei hat man trotz des deutlichen 86:71-Hinspielsieges auch den direkten Vergleich mit Efes Istanbul verloren. Und der könnte im derzeitigen Schneckenrennen der Euroleague um Platz zehn durchaus von Bedeutung sein.

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