München – Björn Dunkerbeck (54) lässt sich nicht aufhalten. 42 Weltmeistertitel hat der Windsurfer mit dem Kampfnamen „Terminator“ schon gesammelt, in seiner langen Karriere stoppten ihn weder Harpunen im Fuß noch zertrümmerte Schultern oder künstliche Hüften. In Lüderitz (Namibia) geht der Mann, der auf Gran Canaria mit seinen vier Kindern lebt, auf die Jagd nach dem Speed-Weltrekord, bei der International Ocean Film Tour am Samstag in München wird auch sein Film „Born to Windsurf“ gezeigt. Unser Interview.
Herr Dunkerbeck, welche Kräfte wirken, wenn Sie mit Vollkaracho übers Wasser donnern?
Wie hoch die Fliehkräfte exakt sind, weiß ich gar nicht. Das einzige, was ich weiß, ist, dass ich bei jedem Lauf voll ans Limit gehe. Schauen Sie: Ich wiege derzeit geschmeidige 112 Kilo. Um noch mehr Druck aufs Wasser zu bekommen, ziehe ich sogar noch eine Bleiweste mit sechs, sieben Kilo an. Mit meinem Neoprenanzug komme ich dann auf 120 Kilo. Wenn ich aufs Brett steige und mein Segel hochziehe, habe ich das Gefühl, 1000 PS in den Händen zu halten.
Bei einem Auto tauscht man in Abständen die Stoßdämpfer aus. Wie ist das bei Ihnen?
Ich muss auch bald wieder in die Werkstatt (grinst). Im Ernst: Anfang März musste ich mich erneut einer Hüftoperation unterziehen. Im Grunde ist es die gleiche OP wie an der linken Hüfte 2018. Damals lief ich nur noch auf der Felge. Mein Arzt sagte, dass meine Hüfte wie die eines 80-jährigen Opas aussah.
Trotzdem wollen Sie im Herbst ihren Weltrekord auf 105 km/h verbessern. Warum in Namibia?
Das liegt am kräftigen Passatwind des Südatlantiks, der dort auf die Wüste trifft. Wenn dies der Fall ist, haben wir in Lüderitz meist 40, 50 oder sogar 60 Knoten. Mein bisheriger Rekord: 55,98 Knoten, das sind 103,68 Stundenkilometer. Da geht aber noch mehr. Viel mehr! Die Konkurrenten werden schon merken, dass sich an meiner Regel nichts geändert hat – trotz des hohen Alters.
Welche Regel?
Ich war und bin unschlagbar.
Sie sind 54. Viele werden im Alter ruhiger . . .
Ich nicht. Natürlich kann ich Sachen, die ich noch als 20-Jähriger gemacht habe, nicht mehr machen. Dennoch habe ich die gleiche Motivation wie früher. Gewinnen, gewinnen, gewinnen. Außerdem fühle ich mich nicht wie ein 54-Jähriger, sondern als 34-Jähriger. Surfen hält jung.
Gerade bei den Rekordversuchen wird es aber gefährlich . . .
Wir dürfen nur in Lüderitz nur starten, wenn der Krankenwagen einsatzbereit ist. Und es stürzt immer jemand.
Warum waren Sie dann fast nie verletzt?
Weil ich immer nach mir und meinem Körper geschaut habe. Eigentlich war ich nur zwei Mal verletzt. Einmal beim Snowboarden an der Schulter, das andere Mal habe ich mir eine Harpune durch den Fuß geschossen.
Sie haben was?
Ich war mit ein paar Jungs in Australien. Wenn kein Wind fürs Surfen war, gab es einen anderen Wettbewerb: Wer angelt den größten Fisch? Ich war es sicherlich nicht (lacht).
Was ist genau passiert?
Das war wirklich alles sehr unglücklich. Meine Harpune war an einer Boje befestigt, die auf dem Wasser trieb. Durch eine Welle hat es mir dann plötzlich die Harpune aus der Hand gerissen, dabei habe ich sie wohl ausgelöst. Fakt war: Der Pfeil steckte im Fuß. Das einzige, was mir in dem Moment wichtig war, war: Raus! Aus! Dem! Wasser!
Wieso?
Die Spitze der Harpune ragte auf der Unterseite wieder heraus. Und ich hatte einen Tag zuvor zig Bullenhaie gesehen. Die würden sofort mein Blut riechen, also habe ich erst den Speer aus meinem Fuß gezogen und bin dann sofort in Richtung Boot geschwommen. Die Ärzte haben mir meine Wunde mit so einer Art Dampfstrahler ausgesprüht, zum Glück hat sich nichts entzündet. Die Haie hatten Pech. Sie mussten sich ein anderes Futter suchen.
Interview: Andreas Haslauer