München – Das letzte DEL-Hauptrunden-Spiel in der Olympia-Eishalle heute (19.30 Uhr) erlebt eine Premiere: Die Halle wird ausverkauft sein: 5728-fache Unterstützung für den EHC Red Bull München. Die Augsburger Panther kommen ohne Anhang. Im Fußball gibt es eine Regelung, welches Kontingent dem Gäste-Club zusteht. In der Bundesliga sind es zehn Prozent, im internationalen Wettbewerb fünf.
Manche Vereine ärgern sich, dass sie ihr Stadion nicht ausverkaufen dürfen, wenn etwa Wolfsburger, Hoffenheimer oder Leipziger nicht alle Karten abnehmen. Im Eishockey mit dem Pensum von zwei Partien am Wochenende sind die auswärtigen Fans kein so großer Faktor, vor allem nicht an Freitagabenden, einem Termin, der bei weiter Anreise kaum zu bewältigen ist. Außer es lockt ein Derby. Die Augsburger wollten ursprünglich wie gewohnt in großer Zahl in München aufschlagen.
Jedoch: Böse Überraschung für die Panther-Fanclubs, als ihnen schon im Januar mitgeteilt wurde, dass ihnen diesmal nur 200 Tickets zugeteilt würden. Nach einer Intervention aus Augsburg wurde auf 287 aufgestockt. Doch die Fan-Clubs entschieden sich „in Abstimmung mit Mannschaft und Verein“ zum Verzicht „auf dieses lächerliche Kontingent“. Man hätte keinen gerechten Weg der Verteilung gefunden und wolle sich „nicht spalten“ lassen. Von Seiten der Münchner, die am Sonntag den Eisbären Berlin noch den kompletten Gästeblock (mit weit mehr als 287 Plätzen) überlassen hatten, wurde als Begründung für die Restriktionen angegeben, dass das Spiel am 8. März das letzte sicher zu planende in der Olympia-Eishalle gewesen sei und den Rahmen für ein „Servus Eisstadion“ bilden solle.
Die Abschiedsparty sei vor allem fürs Heimpublikum gedacht. Die Augsburger monieren wiederum, dass das Spiel bereits vor dem Verkaufsstart als „ausverkauft“ deklariert worden sei. Für die Panther geht es sportlich um nichts mehr. Sie sind Letzter, obwohl sie sich vor ein paar Wochen noch sicher fühlen konnten. Wie im Vorjahr müssen sie nun warten und hoffen, dass keines der aus der DEL2 aufstiegsberechtigten Teams – wieder sind es Hauptrundensieger Kassel und der Sechste, Krefeld – Meister werden. Das kann sich erst Ende April entscheiden. Kurioserweise haben die Schwaben in dieser für sie grottigen Saison zwei der bisher drei Matches gegen den EHC gewonnen. Die positive Derby-Bilanz zu erhalten ist ihr Antrieb. Neben der Fan-Geschichte – und dem Gedanken, den Wolfsburg Grizzlys zu helfen. Die sind Vierter und kommender Playoff-Gegner von München (Fünfter), zwischen beiden Clubs geht es noch ums Heimrecht. Wolfsburg hat in Straubing die auf dem Papier schwerere Aufgabe, muss wohl glatt gewinnen, um den Punkt Vorsprung zu verteidigen.
Außer, Augsburg gelingt in München ein kleiner Coup. Die Verbindung des AEV zu Wolfsburg ist freundschaftlich: Mike Stewart, der Grizzlys-Coach, brachte Augsburg 2019 in eine legendäre Halbfinalserie gegen München und wird als der letzte gute Trainer verehrt, den man hatte, und Charly Fliegauf, Geschäftsführer bei den Niedersachsen, war in Augsburg Spieler, Manager und sogar Präsident. Der EHC München hat es nicht mehr ganz in der eigenen Hand, auf welchem Platz er die durchwachsene Hauptrunde beschließt. „Das ist kein Wunschkonzert“, sagt Torhüter Mathias Niederberger. Trainer Toni Söderholm kündigt aber an, „dass wir noch einmal volle Kanne spielen werden“.
Augsburg war diese Woche mit Trauer und Aufräumarbeit beschäftigt, will aber zumindest aus der Ferne noch etwas Großes machen aus dem womöglich letzten DEL-Auftritt nach 30 Jahren: Im Curt-Frenzel-Stadion gibt es eine Live-Übertragung, und wer die Fans kennt, kann davon ausgehen, dass sie ihren Klassiker aus der 2019er-Playoffs anstimmen werden: „Münchens wahre Liebe: AEV.“ Ein Lied, das die Münchner ärgert und das sie sich in der eigenen Halle 2024 ersparen. Doch das „2. Liga – Augsburg ist dabei“, das die EHC-Fans nur zu gerne loswerden, wird im alten Olympia-Eisstadion verhallen. Ist schließlich niemand da, den es treffen könnte.