Dschidda – Ex-Formel-1-Chef Bernie Ecclestone (93) ist wieder da. Bei allen Skandalen im Fahrerlager hat er seine Finger drin, er gießt immer wieder Benzin ins Feuer. Mit dem Erfolg, dass es rund um den Grand Prix von Saudi-Arabien am Samstag (18 Uhr, Sky) lichterloh brennt.
Ecclestone ist Trauzeuge, Vertrauter und eine Art Ersatzvater für Red Bull-Teamchef Christian Horner. Ecclestone riet ihm, alles auszusitzen, weil er sich der Unterstützung der thailändischen Red-Bull-Machthaber sicher sei. Mit Geld sei alles zu lösen. Deshalb, so hört man, hätten Horner und seine Anwälte der Mitarbeiterin ein Schweigegeld in Höhe von circa 600 000 Euro angeboten. Sie aber soll abgelehnt haben; Horner bestreitet das
Typisch im Versteckspiel, das Ecclestone gerne betreibt: In Telefongesprächen (unter anderem mit unserer Zeitung) behauptete Ecclestone, Horner zu einem Rücktritt geraten zu haben, um weiteren Schaden abzuwenden, der auch auf seine Familie zurückfallen könnte. Später sagte Ecclestone, das niemals so gesagt zu haben. Das Problem: Er hat es mehreren Leuten erzählt, wofür es auch Zeugen gibt. Was hat aber Ecclestone davon? Die Antwort ist einfach: Er mag Liberty Media nicht, die neuen Chefvermarkter der Formel 1. Sie haben ihn quasi in den Ruhestand versetzt, nachdem sie ihm 2017 für angeblich 3,93 Milliarden Dollar die Rechte abgekauft hatten. Daher freut er sich über jeden Skandal. Dazu passen auch die Veröffentlichungen im Magazin F1 Business, das pikante Fotos und Textnachrichten von Horner druckte. Ecclestone soll früher gute Beziehungen zum Chefredakteur gepflegt und sogar Anteile am Magazin besessen haben. Warum aber sollte er Horner mit der Veröffentlichung schaden? Ein Ecclestone-Insider: „Bernie mag es, Chaos zu veranstalten.“
Gut möglich, dass Mr. E, wie ihn seine Mitarbeiter voller Respekt nannten, auch die Informationen zum Manipulationsskandal um FIA-Boss Mohammed Ben Sulayem, gestreut hat. Hintergrund: Er sieht die Chance, seine Ehefrau, die Brasilianerin Fabiani Flosi, zur neuen FIA-Präsidentin zu machen. Die Juristin ist jetzt schon in gehobener Stelle bei der FIA und nicht ganz zufällig sagte er vor wenigen Monaten im Gespräch mit unserer Zeitung: „Vielleicht wäre es langsam mal an der Zeit, dass in Zukunft eine Frau die Geschicke der FIA führt.“
RALF BACH