Peinlichkeit statt Party

von Redaktion

EHC München unterliegt dem DEL-Letzten Augsburg und verspielt Platz vier

VON GÜNTER KLEIN

München – Letzter Hauptrundenspieltag in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) – und in den meisten Stadien blickte man nicht nur auf die Eisfläche, sondern regelmäßig aufs Smartphone. Liveticker-Spannung: Wie steht es bei den anderen? Für München war relevant, was sich in Straubing tat, wo die Grizzlys Wolfsburg, der Gegner in den nächste Woche beginnenden Playoffs anzutreten hatten. Es ging noch darum, wer Vierter wird und Fünfter und wem zum Auftakt der Viertelfinalserie das Heimrecht zufallen wird. Die Antwort: Die Tabelle blieb, wie sie war – Wolfsburg auf vier, München dahinter. Denn beide verloren: die Grizzlys 3:6, München 4:5 (2:2, 1:3, 2:0) zuhause gegen Augsburg. Dritte Niederlage gegen den AEV – eine Peinlichkeit,

Auch ungeachtet des Ergebnisses: Es war ein erschreckendes Spiel, das der EHC München ablieferte. Die Augsburger Panther kamen als Letzter und sportlicher Absteiger, es fehlten auch noch einige ihrer Spieler; Fans hatten sie trotz offiziellen Verzichts auf das Ticketkontingent (darüber hatte es mit München Streit gegeben) doch dabei. Einige wenige. Im kleinen Augsburger Eck wehten immerhin fünf Fahnen.

Der EHC München hatte die zuletzt fehlenden Veit Oswald und Ben Street wieder mit dabei, Trainer Toni Söderholm hatte angekündigt, seine Mannschaft werde „volle Kanne“ gehen. Es war ja auch offizieller Münchner Eishockey-Feiertag: Letztes Hauptrundenmatch in der 57 Jahre bespielten Olympia-Eishalle, dafür waren auch einige Heroen von früher als Ehrengäste da. Wie Joey Vollmer, EHC-Torwart von der Bayernliga (2002) bis zur DEL (2011), der sich erinnerte, „dass wir unseren ersten Aufstieg im P1 gefeiert haben und Olli Kahn uns eine Runde ausgegeben hat. Wer wird sind, wusste er aber nicht.“ Frank Mauer spielte bis vor zwei Jahren in München, erlebte drei Meisterschaften mit, ist jetzt Berater einiger seiner vormaligen Mitspieler – und lässt eine gewisse Skepsis im Hinblick auf die Playoffs erkennen: „Den amtierenden Meister muss man immer auf dem Zettel haben. Doch vielleicht wird’s diesmal ein Underdog wie Bremerhaven.“

Die Münchner hatten vor, sich Playoff-Form zu erspielen. Das misslang gründlich. Die Leistung war durch alle Mannschaftsteile rätselhaft, die Spieler verzettelten sich in Einzelaktionen, die Verteidiger ließen die Augsburger Stürmer laufen. Im ersten Drittel geriet der EHC zweimal in Rückstand (Oblinger, 6., Elias, 15.), konnte aber beide Male ausgleichen (Blum, 6., Ortega, 19.). Im zweiten Drittel dann eine Strecke von drei Gegentreffern, durch die Panther-Tore von Puempel (25.), Karjalainen (35.) und Sacher (36.) stand der EHC mit einem 2:5 da – und bekam von den eigenen Fans ein erzürntes „Wir wollen euch kämpfen sehen“ um die Ohren skandiert.

München rafte sich auf. Parkes verkürzte noch im zweiten Drittel auf 3:5, Ortega gelang in der 46. Minute ein krummes Ding zum 4:5. Dramatisches Finale: Der EHC bekam eine Überzahl (57.), nahm den Torhüter raus. Es half alles nichts, in den entscheidenden Momenten stolperte man über die eigenen Füße. Das Schlusslied „Aus und vorbei“ fürs Stadion könnte in den Playoffs bald dem EHC gelten.

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